Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)

Hauptmann Veltzé: Der Grazer Schloßberg 1809

Der Grazer Sehloßberg 1809. 327 Maßnahmen auf und es wurde mit der Desarmierung der Feste begonnen. Übrigens richtete sich der Feind trotz alledem auf längere Zeit ein, wofür der Baraokenbau in Eggenberg den Beweis liefert1). Napoleon hatte die Schleifung der Werke des Schloßberges angeordnet und mit der Zerstörung aller ärarischen Baulichkeiten machte man den Anfang. Gitter, Dachstühle, Türen wurden um Schleuder­preise angeboten und verkauft. Die Schonung des Uhr- und Glockenturmes erkaufte die Bürgerschaft um 2840 Gulden und bei letzterem war überdies der Umstand ausschlaggebend, daß die Franzosen außer stände waren, die schwere Glocke auszuheben. Über die Sprengung der Werke, welche Arbeit der französische Geniekapitän Marion leitete, liegen aus­führliche Berichte vor2). Die Vorarbeiten geschahen schon im Oktober und am 15. November fiel der große Festungs­brunnen als erstes Opfer; jedoch stürzte nur etwa die obere Hälfte ein und der Schaden konnte leicht gutgemacht werden. Von diesem Zeitpunkt an folgten die Sprengungen Tag für Tag, und zwar zuerst auf der Nordostseite und dann die Objekte am Plateau. Hiebei war es unvermeidlich, daß jene Stadtteile, welche dem Schloßberg zunächst lagen, sowohl durch Sprengpartikel als auch durch herabrollende Gestein- und Schuttmassen arg gefährdet erschienen und beträcht­lichen Schaden erlitten. Insbesondere betraf dies die Pack­straße, Sporr- und Hofgasse, schließlich die Häuser beim Paulustor. Kapitän Marion machte nun den Vorschlag, die Bürgerschaft möge selbst jene Teile der Werke abtragen lassen, deren Sprengung für die Stadt gefährlich sei; nach einigem Zögern stimmte man zu, um größerem Unheil vor­zubeugen. Hatte der Krieg schon viel Ungemach im Gefolge, so war der Waffenstillstand geradezu unerträglich. Das wohl- *) *) Mayer, 231. „980 Wolm- und 60 Pferdebaracken. Dieselben wurden Ende November vom Marscball Macdonald der Bürgerschaft um 25.000 Gulden verkauft, welche sie wieder lizitando veräußerte. Sie waren übrigens äußerst komfortabel eingerichtet, mit Bänken, Pritschen, Öfen; angestrichen mit Ölfarbe und alle Wege mit Steinen ge­pflastert, so daß die dortigen Grundbesitzer Mühe batten, die Felder wieder in brauchbaren Zustand zu setzen”. 2) Beiträge, 198, Nr. 1665 und 206, Nr. 1674.

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