Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)
Hauptmann Peters: Die Anfänge der Militärluftschiffahrt und ihre erste Anwendung im Feldzug 1794
168 Peters. das Erscheinen des Ballons in Staunen versetzt wurden. Ich muß es Ihnen überlassen, zu beurteilen, ob das auch fernerhin der Eall sein würde und bis zu welchem Grad es den Feind erschüttern könnte.” „Es ist niemals möglich, die Luftschiffe den feindlichen Korps so sehr zu nähern, um ihre Bewegungen mit Sicherheit zu erkennen1).” „Höchstens die Bewegungen bei den Vorposten kömite man sicher feststellen. Aber auch diese Erkenntnis, die an einem Schlachttag von großem Werte sein könnte, ist oft Irrtümern unterworfen und gerade diese können unheilvolle Konsequenzen haben. Ich spreche da aus Erfahrung: ich bewahre sorgfältig ein mit Bleistift geschriebenes Billet des Generals Morlot aus der Schlacht bei Fleurus, welches mir ankündigte, daß mein rechter Flügel Erfolg habe, während er gerade damals über die Sambre zurückgeworfen wurde.” „Ich meine daher, daß die Luftschiffer für die Armee wertlos sind, solange man kein anderes Mittel findet sie zu nützen.” Die hier von Jourdan erwähnte Ballonmeldung Morlots ist zweifellos in der Zeit zwischen 8 und 10 Uhr verfaßt worden, als sich am rechten Flügel die Kämpfe zwischen den Kolonnen des Erzherzogs Karl und des FML. Beaulieu einerseits, den französischen Divisionen Lefebvre und Marceau ') Hier machte schon Jourdan dem Fesselballon denselben Vorwurf, den man ihm in neuester Zeit, bei der riesigen Ausdehnung der Schlachtfronten, bei der gesteigerten Präzision und Portóé der Feuerwaffen und nach den Erfahrungen des jüngsten modernen (russischjapanischen) Krieges mit Hecht gemacht hat. Dem steht nun freilich entgegen, daß bei der Vervollkommnung der optischen Instrumente und bei telephonischer Verbindung des Ballons mit dem Armeekommando trotz der großen Ausdehnung moderner Schlachten bei klarem Wetter sowohl richtig beobachtet, als auch die betreffende Meldung im selben Augenblick erstattet werden kann, da die zu meldende Bewegung des Feindes sichtbar wird oder beginnt, und nicht erst nachträglich, wie dies vielleicht bei Fleurus vom General Morlot geschah. Aus der alles beeinflussenden Wechselwirkung zwischen Baum und Zeit ergibt sich auch, daß die Biesenausdehnung moderner Schlachtfronten und der Bäume, welche daher bei Verschiebungen von Kräften in Betracht kommen, andererseits auch mehr Zeit zu Gegenmaßregeln gewährt.