Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)
Hauptmann Peters: Die Anfänge der Militärluftschiffahrt und ihre erste Anwendung im Feldzug 1794
164 Peters. griff auf Gosselies, ca. 4 Uhr nachmittags, als Observatorium Jourdan hatte ihn am 24. Juni mit Tagesanbruch auf die Windmühlenhöhe von Jumet, 2 km südlich von Gosselies an der Chaussee Charleroi—Brüssel, unmittelbar hinter das Zentrum der französischen Aufstellung bringen lassen. Von diesem Standpunkt eröffnet sich ein weiter Rundblick über das ganze Schlachtfeld, wofür auch der gegenwärtige Lokalname „Bellevue” sprechen mag. Am Morgen des Schlachttages, wahrscheinlich zwischen 8 und 10 Uhr, soll General Morlot, der Kommandant der Division, welche Gosselies zu verteidigen hatte, vom Luftschifferhauptmann Couteile begleitet, zwei Stunden in einer Höhe von 300 bis 400 m in der Gondel des Ballons zugebracht* 2) und dem in nächster Nähe etablierten Hauptquartier zwei Meldungen herabgesendet haben 3). Yon diesen, sowie von den vielen übrigen4), die weiterhin ’) „Der Aerostat war durch zehn Stunden ununterbrochen in der Höhe verblieben und ohne lächerlicherweise behaupten zu wollen, daß man ihm allein den Sieg verdankte, so kann man doch nicht leugnen, daß seine materielle und moralische Wirkung zum Erfolg beigetragen hat. Wir erfuhren ganz bestimmt, daß der Anblick dieses prächtigen Aussichtsapparates in der Mitte des ebenen Geländes, wo nichts die Beobachtung behinderte, eine Art von Entmutigung der fremden Soldaten bewirkte, welche bisher keine Ahnung von einer solchen Erscheinung hatten. Die Bewegungen der feindlichen Massen und ihrer Artillerie waren stets sogleich an den General Jourdan signalisiert, jede Änderung der Gefechtslage wurde ihm vom General Morlot raschestens mitgeteilt. Dieser Vorteil war für uns ganz bedeutend. Trotzdem aber hätten wir uns ohne die Übergabe von Charleroi nur sehr schlecht aus der ganzen Affäre gezogen . . . .” (Übersetzt aus den Memoiren des Luftschiffers Seile de Beauchamps.) Die weiteren Daten dieses Abschnittes sind außerdem zusammengestellt nach: Coutanceau, La Campagne de 1794 á l’armée du Nord, 551—54; Letonné, Les aérostiers militaires pendant les guerres de la revolution, 403; Dupuis, Opérations militaires sur la Sambre en 1794. 2) Nach dem Bericht Guyton de Morveaus an den Wohlfahrtsausschuß vom 9. Messidor (27. Juni). a) Das Herabsenden geschah, indem man die betreffende Meldung in einen Ballastsack steckte und diesen, nachdem man das entsprechende Avisosignal gegeben, herabwarf. Die Säcke wurden von einem der Luftschifferoffiziere geöffnet und die Meldungen unmittelbar dem kommandierenden General übergeben. 4) „Gegen Mittag wurden die Meldungen immer häufiger; . . . das schien uns bedeutungsvoll, denn die Gesichter der Herren vom General-