Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)

Hauptmann Peters: Die Anfänge der Militärluftschiffahrt und ihre erste Anwendung im Feldzug 1794

152 Peters. ebenfalls an Dimension und Gewicht verlieren, das Gerüst maß statt 55 Fuß nur mehr 26 bis 27, und es genügten fünf einfache, überall erhältliche Stangen zu seiner Errichtung. Als Begründung seiner Vorschläge zur Vereinfachung und kriegsmäßigen Ausgestaltung seiner Erfindung führte Guy ton an, daß es bei der Sicherheit, mit welcher sich die Auf- und Abstiege abspielten, ganz unnötig wäre, den Fesselballon von nun an mit zwei Personen zu belasten; die bisherigen Versuche hätten das Vertrauen der Leute gesteigert und die Gefahrlosigkeit der Luftschiffahrt derart erwiesen, daß kein Mensch mehr zu fürchten brauche, allein im Ballon aufzu­steigen. Übrigens könnten diejenigen, welche denselben von unten aus lenken, durch die Geschicklichkeit bei der Seilhand­habung für die absolute Sicherheit des Aufgestiegenen bürgen. Die Hauptvorteile der zylindrischen Form aber lagen — wie man heute weiß — in der größeren Stabilität, welche besonders Coutelle hervorhob1). Ein Dekret des Comité du salut public vom 23. Juni befahl denn auch die rascheste Herstellung von sechs solchen zylindrischen Ballons, „um allen Armeen der Republik die Vor­teile zu teil werden zu lassen, welche die Nordarmee bisher aus den Beobachtungen vom Ballon in Maubeuge gezogen habe”. l) Coutelle schreibt am 21. Juni an Guyton u. a.: „ ........Auch wi rd die Rotationsbewegung [Drehung um die Yertikalachse] bei der Zylinderform nahezu oder ganz verschwinden, da der Zylinder sich nicht seitlich zum Winde, sondern immer so stellt, daß die Wind­richtung auf eine der beiden Kalotten [Hemisphären] wirkt. Er stellt sich also im Sinne einer Wetterfahne gegen den Wind. Das ist der größte Vorteil der neuen Form, denn sie bietet eben das, was man erreichen will.” [Größere Stabilität.] „Wenn die Luftschiffer, welche die Stricke von unten dirigieren, darauf acht haben, sie in der Richtung senk­recht zum Winde beiderseits der Vertikalen am Boden zu befestigen, dann wird das Luftschiff nahezu stationär bleiben, woraus sich der Vorteil ruhiger Beobachtung von selbst ergibt Die späteren Auf­fahrten mit dem zylinderförmigen Ballon belehrten Coutelle allerdings, daß das nicht immer zutrifft. Trotzdem liegt es nahe genug, in diesen verbesserten Fesselballons des Jahres 1794 die Vorläufer des von den deutschen Hauptleuten v. Parseval und Bartsch von Sigsfeld erfundenen modernen Drachenballons zu erkennen, der bekanntlich heut­zutage als Haupttype der Fesselballons in allen großen europäischen Staaten eingeführt ist.

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