Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)
Hauptmann Peters: Die Anfänge der Militärluftschiffahrt und ihre erste Anwendung im Feldzug 1794
Militärluft Schiffahrt im Feldzug 1794. 137 Meere (bei Dünkirchen) bis zur Maas (Meziéres, Givet) ausgedehnte französische Armeefront an der N.-O.-Grenze sollte so ziemlich in deren Mitte, am kürzesten Wege nach Paris, d. i. in der Gegend südlich von Valenciennes durchbrochen und nach Wegnahme der zunächst liegenden Festungen (vor allem Landrecies) auf Paris, den Herd der Revolution, vorgedrungen werden1). FM. Prinz Ko bürg hatte im März seine Hauptkräffce im Raume Quievrain, Valenciennes, le Quesnoy, das Korps des FZM. Fürst Hohenlohe zwischen Bavay und Bettignies versammelt. Am rechten Flügel hatte FZM. Clerfayt bei Tournai, am linken FML. Graf Kaunitz bei Beaumont, Beaulieu bei Namur und, als Verbindung mit dem preußischen Kontingent am Rhein, Blankenstein bei Trier Stellung zu nehmen und feindliche Kräfte zu binden. Während im Vorfrühling an beiden Flügeln ohne eigentliche Entscheidung gekämpft wurde, schob sich im Zentrum auf der flachen Wasserscheide zwischen den Quellgebieten der Sambre und Schelde Koburg Mitte März keilförmig zwischen die im konvexen Halbkreis von Bouchain und Cambrai an der Schelde über Bohain und Guise bis Landrecies und Maubeuge an der Sambre verteilten Divisionen der französischen Nordarmee ein und eroberte trotz hartnäckiger Entsatzversuche am 30. April Landrecies. Nach dem Falle dieser Festung sandte Koburg einen Teil der entbehrlich gewordenen Truppen als Unterstützung nach Flandern zu Clerfayt, welcher von Pichegru mit Übermacht angegriffen war. Das Kriegsglück blieb dort vorerst schwankend. Gleichzeitig wurde auch an der Sambre seitens der östlichen Flügelkorps ebenso unentschieden gekämpft. Die französische „Ardennen-Armee” griff in der Absicht, die Sambre zu forcieren, im Mai mehrere Male vergebb Nebenbei bemerkt, bildet dieser Operationsplan wieder ein Beispiel für die Tatsache, daß sich in dieser Übergangsperiode der Kriegführung modern zu nennende, großzügige Offensivideen mit den veralteten Prinzipien der Positions- und Belagerungskriege vermengen. Die Festungen bildeten eben sozusagen noch immer die Magnete, welche das Schwert der Staaten, die Heere, unwiderstehlich anzogen und oft monatelang festhielten.