Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)
Hauptmann Peters: Die Anfänge der Militärluftschiffahrt und ihre erste Anwendung im Feldzug 1794
Militärluftschiffahrt im Feldzug 1794. 135 noch in diesem Jahre beim Entsatz des von Ko bürg belagerten Maubeuge von entscheidender Bedeutung sein könne und der Wohlfahrtsausschuß sandte den um die aeronautische Sache besonders verdienten Physiker Co u teile, der später auch als erster Kommandant der Luftschifferkompagnie eine Rolle spielte, an den Armeekommandanten J o u r d a n, um diesem die Ankunft des Ballons anzukündigen, den Bau eines Gasbereitungsofens, des Ballonzeltes und alle sonst nötigen Vorbereitungen zu leiten und zu betreiben. Die Reise C out eil es hatte aber nicht den gewünschten Erfolg. Die Kriegslage war den immerhin zeitraubenden Vorbereitungen nicht mehr günstig. Die Armee stand im Anmarsch gegen Ko bürg bei Beaumont, 6 Meilen von Maubeuge entfernt, in direktem Kontakt mit den Vortruppen des Gegners; jeder Tag konnte die Entscheidung bringen und endlich war auch die vorgerückte Jahreszeit (Mitte Oktober) und das schlechte Wetter den Vorbereitungen dieses ersten und recht kostspieligen Versuches vor dem Feinde durchaus ungünstig. C o u t e 11 e, welcher übrigens auch Gefahr lief, von dem bei der Armee anwesenden Kommissär der Nationalversammlung zum Tode durch Erschießen verurteilt zu werden, weil dieser im „absurden” Gedanken eines Militärballons eine Verräterei witterte, kehrte also eiligst (in zweieinhalb Tagen) nach Paris zurück, um die Absendung des Ballons zu verhindern. Die Regierung entschloß sich, von der Verwendung desselben in diesem Jahre noch abzusehen, den Saint-Croixschen Ballon*) aber mit allem Zubehör nach Meudon zu überstellen und dort die Versuche fortzusetzen, insbesondere aber den Signaldienst und das Meldewesen einüben zu lassen, damit die neue Institution auch in dieser Richtung ihre kriegstüchtige Vollkommenheit erreiche. Den Bürgern Coutelle und Lhorn o n d, zu denen sich später auch C o n t é gesellte, wurde Stoffes durch eine besondere Art von Leinöl eine wertvolle Errungenschaft. Diese Dichtung war so undurchlässig, „daß das Abhandenkommen des .Rezeptes dafür noch heute als ein bedauernswerter Verlust beklagt” wird. 1) Dieser Ballon erhielt, seiner nunmehrigen Aufgabe entsprechend, den Namen: l’Eprouveur (Versuchsballon).