Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)

Hauptmann Peters: Die Anfänge der Militärluftschiffahrt und ihre erste Anwendung im Feldzug 1794

128 Peters. erstaunt seine Unkenntnis darüber eingesteben, daß schon in den ersten Jahren der französischen Revolutionskriege, vor nunmehr über 100 Jahren, dieses Kriegsmittel bestand. Ja, daß es damals schon eine relativ hohe Entwicklungsstufe erreichte und mehrfach mit Erfolg benützt wurde, dürfte heute, wo die Bedingungen seiner Anwendbarkeit — wenigstens im Feldkrieg — noch immer nicht vollkommen geklärt sind, selbst in militärischen Kreisen wenig be­kannt sein. Welchen Eindruck auf die Welt und insbesondere auf die Heerführer jener Zeit die neue französische Erfindung üherhaupt gemacht haben mag, läßt sich aus einigen Akten­stücken und Zeitungsberichten entnehmen. Treffend scheint er in dem interessanten Freskorundbild von Karl Blaas wieder­gegeben, welches im nordöstlichen Nebensaal der „Ruhmes­halle” des genannten Museums die Decke ziert. Es stellt eine „Episode nach der Schlacht bei Würzburg” dar und zeigt uns eine Gruppe höherer Generale, Erzherzog Karl, FML. Graf Sztáray, GM. H. v. Schmidt und FZM. Graf Wartensleben, die in lebhaftem Gespräch die Gondel des soeben „erbeuteten” Ballons besichtigen. Der Künstler hat hier einen kriegshistorisch und -technisch denkwürdigen Moment charakteristisch festgehalten. Während sich einerseits die begreifliche Skepsis, welche der Mensch seit jeher jedem verblüffenden Fortschritt entgegenstellt, in einigen Gesichtern spiegelt, sehen wir andererseits das Auge des jungen Erz­ä 1802” (Lille 1893) geben (II. Bd., S. 407) an, daß der in Maubeuge, Charleroi und bei Fleurus 1794 verwendete, erste französische Ballon zwei Jahre später in Würzburg von den Österreichern erbeutet wurde. Demnach wäre wohl der Ballon im Heeresmuseum eher mit dem Ballon „Entreprenant” von 1794 identisch. Auch die Dimension des kugel­förmigen „Entreprenant” (10 m = zirka 30 Fuß) spricht für diese An­nahme. Eine andere handschriftliche Notiz im k. u. k. Heeresmuseum besagt: „Dieser Ballon wurde gelegentlich einer Produktion des Luft- schiffers Godard in Graz 1795, wo dessen Ballon verbrannte, durch Sammlungen seitens der Grazer Bürgerschaft aufgebracht. Das Jahr darauf (1796) rekognoszierte Godard mit demselben wiederholt die österreichischen Stellungen. Bei Würzburg geriet er in die Hände der Österreicher.” Eine Bestätigung dieser Angabe unbekannter Provenienz konnte nicht ermittelt werden.

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