Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 5. (Dritte Folge, 1907)

Hauptmann Paldus: Johann Christoph Müller. Ein Beitrag zur Geschichte vaterländischer Kartographie

Ein Beitrag zur vaterländischen Kartographie. 117 auf kartographischem Gebiet im vollen Lichte. Offenbar auf Autopsie beruhend, legen seine Karten das Schwer­gewicht auf die Darstellung der kriegerischen Ereignisse, wie Schlachten, Lager, Stellungen und Marschlinien der beider­seitigen Armeen. Prachtvolle Vignetten mit Wappen und kriegerischen Emblemen zieren diese zumeist dem Prinzen Eugen gewidmeten Kartenwerke. Die Operationskarten zu den Feldzügen am Oberrhein 1704, 1707, 1708, 1710, 1711, 1712 und 1713 sowie die Karte zum Feldzug in Ungarn 1716 und die der Tnsel Sizilien besitzt das k. und k. Kriegs­archiv im Original; für die Feldzugsjahre 1702, 1703, 1705, 1706 und 1709 sind Kopien nach den B lö d tn er sehen Ori­ginalen, von dem späteren Ingenieurhauptmann Joh. Georg Meichsner ausgeführt, vorhanden. Insbesondere verdient das Kriegstheater am Rhein vom Jahre 1713 hervor­gehoben zu werden: „Theatrum Belli Rhenani worinnen ent­halten dero Röm: Kays : und Cath: Mayst: C a r o 1 o VI. und des Heyl: Röm: Reichs Armee Feldzug 1713 unter Commando Sr. des Herrn Prinzen Engeny von Savoyen Hochfürstl: Durchl: R. Kays, und Cathol: Mayt. gevollmächtigten 42 auf 60 Gulden erhöht. 1713 erhielt er den Charakter eines kaiser­lichen Hauptmanns mit der Verbesserung seiner monatlichen Gage auf 75 Gulden. Auf Grund seiner Rekognoszierung wurden 1713 15 Über­gangspunkte am Rhein zur Verteidigung eingerichtet. Im März 1716 wurde er aus Kirchheim mit den von ihm vollendeten Landkarten nach Wien befohlen und im April 1716 auf spezielles Verlangen des Prinzen Eugen vom Rhein, wo er bis dahin in Verwendung ge­standen, zur Dienstleistung nach Ungarn berufen. Er überreichte dem Prinzen Eugen seine verfertigten Landkarten vom Oberrhein aus den letzten französischen Kriegen, wofür ihm dieser 797 Gulden für die ge­habten Ausgaben bezahlte. Die Verleihung des Obrist Wachtmeisters­charakters und die Erhöhung der jährlichen Gage von 900 auf 1200 Gulden waren der Lohn für seine Verdienste. An Stelle des in der Schlacht bei Peterwardein gefallenen Obristen und Generalquartier­meisterleutnants Chréstien de Bouchon wurde der Ingenieurobrist- wachtmeister C. Blödtner zum Generalquartiermeisterleutnant er­nannt. Als er jedoch im März 1717 den Befehl erhielt, sich für den bevorstehenden Feldzug bereit zu halten, legte er sein Amt nieder. Eine von seiner Hand stammende Operationskarte von Sizilien in dem Kriege der Quadrupelallianz gegen Spanien (1718—1720) beweist, daß er sich später auch hier als Kartograph betätigte.

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