Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)

Hauptmann Czeike: Aufmarsch der österreichischen Armee gegen die Revolution im Oktober 1848

254 0 z e i k e. Das Ministerium mußte seine Anordnungen zurück­nehmen, die ausgerückten Truppen wurden wie immer nach passiver Verwendung zurückgezogen, der Terrorismus der Massen hatte neuerdings gesiegt. Weder der später tagende Reichstag, noch die Rückkehr des Kaisers nach Wien konnten der in der Folge in Permanenz tretenden Revolution mehr Einhalt tun und von Forderung zu Forderung, von Aufruhr zu Aufruhr, von Konzession zu Konzession, gelangte so Österreich schließlich zu jenen schaudererregenden, die gänzliche Anarchie betäti­genden Ereignissen des 6. Oktober. Das Signal zum Ausbruch der offenen Empörung in Wien gab der vom Kriegsministerium anbefohlene Abmarsch des Grenadierbataillons Richterr) aus Wien nach Ungarn, welchen die Partei des Umsturzes um jeden Preis zu ver­hindern trachtete. Am 6. Oktober wurde dieses Bataillon auf der Tabor­insel von den dort angesammelten Volksmassen aufgehalten und zersprengt. Das zur Unterstützung herbeieilende Bataillon des In­fanterieregiments Nassau Nr. 15 geriet bei dieser Gelegenheit in einen blutigen Kampf mit dem Volke und trat auf Befehl den Rückzug in die Stadt an. Auf die Nachricht von diesen Vorgängen hatte der Kriegsminister FZM. Graf Baillet von Latour die Truppen der Garnison um 2 Uhr nachmittags alarmieren lassen, worauf sich diese am Josefstädter Glacis sammelten. Die aus den Grenadierbataillonen Strastil, Gaus und Schwarzl bestehende Grenadierbrigade erhielt den Befehl, zur Unterstützung der bedrohten Truppen zur Taborlinie abzu­marschieren ; sie fand aber dort den Kampf bereits beendet und rückte gegen 5 Uhr nachmittags auf das Glacis vor dem J) Dieses Bataillon bestand aus den Grenadierdivisionen der In­fanterieregimenter Leopold Großherzog von Baden Nr. 59 (seit 1852 FZM. Erzherzog Rainer), FML. Heinrich Ritter von Heß (auf immer­währende Zeiten FM. Heinrich Freiherr von Heß) und FML. Johann Freiherr Hrabovsky von Hrabova Nr. 14 (seit 1893 Ernst Ludwig Groß­herzog von Hessen und bei Rhein). Bataillonskommandant war Major Richter von Binnenthal des Infanterieregiments Nr. 14.

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