Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)
Hauptmann Jacubenz: Die Besetzung von Krakau 1846
Die Besetzung von Krakau 1846. 245 Auch Erzherzog Ferdinand in Lemberg hatte zur Unterstützung der Brigade Collin anfänglich die Aufstellung einer mobilen Trappendivision angeordnet; die Ausführung dieser Maßregel unterblieb jedoch infolge der von Wien aus getroffenen Verfügungen. Dagegen hatte der Gouverneur von Polen, FM. Fürst Paskiewitsch, gleich zu Beginn der Unruhen im Krakauer Gebiet, dem dortigen russischen Residenten ein Bataillon Infanterie zur Verfügung gestellt. Dasselbe war schon am 24. Februar in Michalowice an der Grenze, 13 Kilometer nördlich Krakau eingetroffen, hatte sich aber wegen der im Königreich Polen selbst drohenden Unruhen sogleich wieder nach Miechów zurückgezogen. Auf die Nachricht von der zunehmenden Ausbreitung des Aufstandes wurden nun russischer - seits 16 Bataillone Infanterie, 8 Eskadronen Kavallerie, 9 Sot- nien Kosaken und 20 Geschütze, unter GL. Panjutin, gegen die Grenzen der Republik und Galiziens in Bewegung gesetzt und vom Fürsten Paskiewitsch dem Erzherzog Ferdinand, Gouverneur von Galizien, zur Verfügung gestellt* 1). Die preußische Regierung hatte ebenfalls auf Grund des Berichtes ihres Residenten in Krakau, zuerst 1 Bataillon Indáim der Truppendivision GM. Graf Schaffgotsche, mit der Brigade GM. Graf Nobili: 2 Bataillone des Infanterieregiments Nr. 4; 2 Bataillone des Infanterieregiments Nr. 8; 1 Batterie Brigade GM. Fürst Eduard Schwarzenberg: 2 Bataillone des Infanterieregiments Nr. 11; 2 Bataillone des Infanterieregiments Nr. 36; 1 Batterie und zwei Kriegsbrückenequipagen. Von diesen Truppen stand die Division Gyulai schon am 28. Februar zwischen Podgórze und Bielitz, die Division Schaffgotsche befand sich noch im Anmarsch aus Mähren, Böhmen und Niederösterreich; der Korpskommandant und die beiden Divisionäre aber waren noch in Wien. ') Paskiewitsch schrieb an den Erzherzog Ferdinand nach Lemberg von Warschau aus am 25. Februar 1846: .............„si vous ju gez convenable de faire entrer nos troupes sur le territoire de la Galicie, veuiilez charger cet officier [Adjutanten des Fürsten und Überbringer des Briefes] de leur porter vos ordres ils y obéiront sur le champ.” . . .