Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)

Hauptmann Jacubenz: Die Besetzung von Krakau 1846

Die Besetzung von Krakau 1846. 243 Die Insurgenten am Krakauer Ufer, welche den Kampf auf der Höhe südlich Podgóráe bemerkt hatten, wagten zur Unterstützung ihrer bedrängten Gefährten einen vergeblichen Sturm auf die Brücke; sie wurden jedoch von Kartätsch-1) und Gewehrfeuer empfangen und mußten umkehren. Damit war der Kampf in der Hauptsache beendet, wenn auch das Feuern von beiden Ufern aus noch bis gegen 10 Uhr nachts währte. Die Verluste der Truppen betrugen etwa 20 Tote und Verwundete; die Insurgenten hingegen hatten an 100 Tote und Verwundete und über 100 Gefangene, darunter 32 zum Teil bewaffnete Priester zurückgelassen. Weiters erbeuteten die Truppen mehrere Insurgentenfahnen und viele Waffen. Die der Prozession abgenommenen Kirchenfahnen und sonstigen Paramente ließ GM. Collin tags darauf dem Pfarrer von Pod- górze übergeben, die Fahnen der Insurgenten aber vernichten. Nach Beendigung des Kampfes ließ der österreichische Befehlshaber rings um Podgórze Vedetten aufstellen, zur Aus­forschung etwa geschlossener Insurgentenabteilungen Patrouillen abgehen, gegen Wieliczka, von wo noch keine Nachrichten eingelangt waren, starke Vorposten aussetzen und dann das Gros seiner Truppen in den wiedergewonnenen Unterkünften ruhen. Arg genug hatten die Insurgenten darin gehaust; die ärarischen Magazine sowie die Wohnungen der Offiziere waren gänzlich ausgeräumt und nur das Spital mit einigen unter der Obhut eines Militärarztes zurückgelassenen Kranken blieben von ihrer Beutesucht verschont. In Krakau war indessen eifrigst an der Schaffung einer Insurrektionsarmee gearbeitet worden; zahlreiche Bauernauf­gebote aus dem Freigebiet strömten herbei und harrten ihrer Bewaffnung, während andere besser ausgerüstete Abteilungen zu Fuß und zu Pferd schon bereitstanden. Trotz der angeblichen Kampflust aber konnte sich der Diktator für keines der vielen Aktionsprojekte entscheiden und verlegte sich schließlich auf Unterhandlungen. Als diese aber zu keinem Resultat führten, räumte er am Morgen des 3. März mit den Resten der Aufständischen die Stadt und *) Dies waren die in Wieliczka vernommenen, rasch aufeinander­folgenden Kanonenschüsse. 16*

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