Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)
Hauptmann Jacubenz: Die Besetzung von Krakau 1846
234 J acubenz. Oberstleutnant Benedek beschloß nunmehr, sich gegen Gdów zu wenden. Auf dem Weitermarsch dahin wurde bekannt, daß die Insurgenten, gegen 600 Mann stark, in Gdów stehen geblieben seien. Die aufgebotenen Bauern, etwa 400, wurden eine halbe Meile vor Gdów angetroffen und der Truppenkolonne angeschlossen, welche sich diesem Orte ungehindert näherte. Die dahin führende breite Straße war etwas aufgetaut, aber gut benützbar, die angrenzenden Felder hingegen stark aufgeweicht und nur für Infanterie, dann durch einzelne Beiter unter Vorsicht zu betreten. Der Ort Gdów war zu einer hartnäckigen Verteidigung, wofür übrigens die Insurgenten keine Vorbereitungen getroffen hatten, wenig geeignet. Die Orts- lisiere sprang gegen Osten in einem spitzen Winkel vor und bestand durchwegs aus kleinen, schlecht gebauten, daher nicht verteidigungsfähigen Häusern. Auch war für den Verteidiger noch der weitere Umstand nicht günstig, daß seine Bückzugs- linie — die Straße über Wieliczka nach Krakau—in der Verlängerung seines linken Flügels lag. Von den Insurgenten war nur ungefähr die Hälfte mit Gewehren bewaffnet und ihre Beiterei konnte infolge des stark aufgeweichten, von kleinen Binnsalen durchzogenen Bodens zu keiner Wirkung kommen. Sie stand, gegen 100 Beiter stark, nördlich des Ortes, auf der Straße nach Wieliczka. Das Gros der unberittenen Insurgenten hatte sich in den Häusern des Ostrandes und in den Gassen von Gdów verdeckt aufgestellt. Kurz nach 10 Uhr vormittags, etwa 1200 Schritt von Gdów entfernt, erließ Oberstleutnant Benedek den Befehl zum Angriff auf diesen Ort. Ein Zug der 5. Kompagnie mit einigen Chevaulegers und sämtlichen Bauern unter Kommando des Leutnants Hoffmann hatte auf die nördlich der Anmarschstraße stehenden berittenen Insurgenten, somit gegen die Bückzugslinie der Verteidiger, vorzugehen. Auf und neben der Straße nach Gdów rückte ein Zug Chevaulegers als Vorpatrouille bis auf zirka 400 Schritt gegen den Ort vor und zog sich dann in nördlicher Bichtung näher an die Gruppe des Leutnants Hoffmann; hinter den Chevaulegers marschierten auf der Straße die 1., 2., dann der Best der 5. Feld- und die 4. Landwehrkompagnie von Kr. 30, hierauf die übrigen Beiter. Mit Bücksicht auf den beschwerlichen Weg