Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)
Hauptmann Jacubenz: Die Besetzung von Krakau 1846
230 Jacubenz. ihnen das Eintreffen von Verstärkungen wohl auch nicht entgangen war x). Aber auch in Kalwarya fühlte sich GM. Collin nicht sicher genug und noch am Abend des 24. Februar brach er mit den marschfähigsten Truppen — 2 Kompagnien, 1 Eskadron und der Halbbatterie — nach Wadowice (15 Kilometer von Kalwarya) auf, welchen Ort er im Hinblick auf seine Magazine, Kasernen und sonstigen Akzessorien für die Ausrüstung und Organisation der Truppen als besonders geeignet hielt. In Krakau hatte sich inzwischen auch das neue Regierungs- triumvirat nur einer kurzen Herrschaft zu erfreuen; dort war in der Person Tyssowskis ein Diktator eingesetzt worden, welcher in die Bewegung einen energischeren Zug bringen sollte. Derselbe gab sogleich Befehl, ein Korps zu bilden, das zu einem Einfall in G-ahzien bestimmt war. Das von den Truppen geräumte Podgórze hatten die Krakauer Insurgenten, welche die 'Weichsel auf Kähnen übersetzten, am 24. um die Mittagszeit betreten, während andere sich auf den Weg nach Wieliczka machten. Die Gefechte von Gdów und Podgórze. In Galizien war der Aufstand schon am 24. Februar an dem blutigen Widerstand der Bauern und den ebenso umfassenden als strengen Maßregeln der Behörden gescheitert. Die Unklarheit der Verhältnisse aber und die Berichte über die furchtbaren Ausschreitungen der Bauern gegen die Dominien, veranlaßten die Regierung, über sämtliche Kreise westlich von Lemberg, einschließlich dieser Stadt, das Standrecht zu verhängen. Der Gubernialvizepräsident Leopold Graf Lazansky war am 22. Februar zur Wiederherstellung der Ordnung von Lemberg in die Provinz entsendet worden und der GeneralJ) Bei Kalwarya waren jetzt versammelt: 14 Kompagnien, 2 Eskadronen, Batterie und die Krakauer Miliz ; zusammen gegen 1400 Mann Infanterie, 180 Beiter, 3 Geschütze und 400 Mann Miliztruppen. — Die Verluste der Truppen seit dem Einmarsch in Krakau betrugen: tot: 1 Offizier (Leutnant Bitter von Begg) und 10 Mann; verwundet: 1 Offizier (Leutnant Bernd) und 12 Mann; vermißt: 1 Offizier (Leutnant Potakowski) und 39 Mann.