Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)

Major Semek: Repressaliengefechte gegen die Montenegriner im Jahre 1838

Repressaliengefechte gegen die Montenegriner. 195 stand doch, um 6 Uhr abends die eingeschlossene Besatzung in höchster Gefahr. Die schwache halbe Infanteriekompagnie unter Hauptmann Pindtner, welche mit nur 18 Rotten und 20 Cattarensern in Oradienizza stand, konnte ihrer Aufgabe, dieses und damit Spiridione und Marovich im Palle eines Angriffes zu schützen, selbst kaum genügen und hatte alle Verbindung mit Gomila verloren. Der dringenden Bitte des Hauptmanns Spanner um Unterstützung vermochte Oberstleutnant Roßbach, selbst in schwere Kämpfe ver­wickelt, nicht zu willfahren. Die Abteilung blieb der eigenen Kraft, dem eigenen Mute überlassen — und sie verlor beides nicht. Oberstleutnant Roßbach erhielt die Meldung Spanners erst um 12 Uhr nachts — sie war ausschlaggebend für sein ferneres Verhalten1). Vorteilhafter als am linken gestaltete sich der Verlauf der Gefechte am rechten Flügel. Die Kolonne Guolfinger rückte in stetem Kampfe bis zum Berge Kappa vor und drängte den Gegner bis zur Höhe desselben zurück* 2). Hier empfing sie eine starke Abteilung Montenegriner, die aus Gluhido (Gluida) zur Hilfe herbeigeeilt war. Von drei Seiten durch Steinwälle geschützt, schien diese unangreifbar— den Kaiserlichen war sie es nicht. Rasch sammelte Major Guolfinger die in der Verfolgung etwas auseinandergekommene Kompagnie und schmetternd blies das Horn zum Sturme. Todesmutig gingen die Jäger, ging die Infanterie vor, von Stein zu Stein in hart errungenen Schritten, trotz des lebhaften Feuers und der stürzenden Fels­blöcke. Endlich war der Wall erreicht und mit lautem Hurra warfen sie sich auf den Feind. Jeder einzelne wurde zum Helden, allen voran der Korporal Munari, dessen Kühnheit und Tapfer­keit der Kommandant besonders hervorhebt. Ihm zur Seite zeichneten sich Feldwebel Fernier, die Gemeinen Andre- ghetti, Motta und die beiden Moino besonders aus. Im Nu hatten die kaiserlichen Bajonette die Höhe vom Gegner gesäubert. Unter dem Schutze derselben konnten nun die Terrieri ungehindert ihr Zerstörungswerk durchführen. ’) R. K. M., Registr. 1838, Praes. Nr. 1400, 1401, 1402 (1320 C), Bericht Roßbachs und Spanners. 2) K. A., P. A., Repressaliengefechte 1838, VIII, 12 a/1. 13*

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