Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)
Major Semek: Repressaliengefechte gegen die Montenegriner im Jahre 1838
Repressaliengefechte gegen die Montenegriner. 187 Nochmals machte die Nacht dem Kampfe ein Ende. Die Montenegriner zogen sich ins Gebirge zurück. Gomila blieb im Besitz der Kaiserlichen. Aber auch Vidrák blieb es! Dort hatte unterdessen Unterjäger Jöchlinger mit seiner kleinen Schar die Wachhütte und den Steinwall auf der Höhe gegen alle Angriffe gehalten. Von allen Seiten umschlossen, spornte er durch Zuruf seine Leute an. Kuliig und besonnen erteilte er im heftigsten Feuer seine Befehle. Vierundzwanzig Stunden blieb die Mannschaft ohne Nahrung, ohne Wasser, bis es einer Schleichpatrouille gelang, sich nach S. Stefano durchzuschlagen und Lebensmittel herbei- zuschaffen. Oberstleutnant Roßbach war mit der 5. Kompagnie um 12 Uhr mittags in der Nähe des Berges Spass angelangt. Heftiges Gewehrfeuer zeigte ihm die Abteilungen der 1. Kompagnie und den Infanteriezug in furchtlosem Kampfe mit dem weit überlegenen Gegner, der bereits die Höhen des Kopacz besetzt hielt und dem Eingang des Ortes Novoselo sich näherte. Kaum 200 Mann kämpften gegen mehr als 2000. Rasch entschlossen entwickelte er die Kompagnie zum Gefecht und griff, gegen den gegnerischen rechten Flügel vorgehend, diesen an. In die Kette aufgelöst eilten die Jäger vor, bis zur normalen Distanz für den Sturm. In diesem Augenblick ließ Roßbach das Signal hiezu geben. Die steile Böschung hinderte den Anlauf. Schritt für Schritt, unbeirrt durch das Feuer, drang Mann neben Mann vor, bis in die Stellung der Montenegriner. Im Nu war dieselbe mit dem Bajonett gesäubert. Doch nochmals sammelte sich der Gegner auf einer rückwärts gelegenen Kuppe. Roßbach ließ eine halbe Kompagnie gegen ihn vorrücken, ralliierte die andere halbe als Reserve und befahl ihr, der ersten zu folgen. Wieder wurde die Stellung mit dem Bajonett genommen. Die Höhe des Kopacz war endgiltig erstürmt. Verwirrt flohen die Montenegriner auch hier in die Berge. An allen Punkten waren sie entscheidend zurückgewiesen, die Ehre des Tages blieb den kaiserlichen Truppen. Unterdessen war auch die 8. Kompagnie von Erzherzog Friedrich aus Budua bei Novoselo eingetroffen.