Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)
Major Semek: Repressaliengefechte gegen die Montenegriner im Jahre 1838
182 Sernek. gefahr zu passieren, jener über Maro vielt nach S. Stefano ziemlich, benützbar. Eine zweite Verbindung führte von Optochichi nach Vidrák, wo sie sich jener von Gomila her anschloß. Ein dritter Weg leitete von Bercselli (Brceli) über den Kopacz nach Novoselo. Von diesem zweigten kaum gangbare Pfade einerseits über die südliche Lehne des Kopacz und des Scalizza-Stognina gegen jene Schlucht, durch welche man den Grenzpunkt von Österreich, Montenegro und Türkisch -Albanien, „Treconfini” (Trirogga), erreichte; andererseits über Grabovizza, Bessevizza (Besevich) nach S. Stefano. Ein vierter führte von Gluida über die Bergkuppe Scalizza gegen Sv. Gospodia und weiter gegen Uliza und das Blockhaus oder gegen Vieterno Gumno. Von allen diesen Annäherungslinien bot jene über Gomila dem montenegrinischen Vormarsch die beste Gewähr des Erfolges, da sie den Besitz der anderen sicherte. Zunächst dann war jene über Bercselli von Wichtigkeit, da sie die Vorrückung über Novoselo nach Lastua und damit den Besitz des ganzen Küstenstriches erschloß. Der ungünstigen Situation, in der sich Österreich Montenegro gegenüber nach jeder Bichtung befand, war man sich in den militärischen Kreisen allgemein bewußt, aber es ging ganz über die Eassungsgabe der diplomatischen Machthaber jener Zeit, sich irgendwie vorzustellen, daß das kleine Montenegro es wagen werde, gegen das große Österreich aggressiv zu werden. Man war noch verblendet von den längst verrauschten Erfolgen gegen Napoleon und gefiel sich in der Bolle des Löwen an Furchtlosigkeit und Großmut. Die Entnüchterung kam rasch! Eröffnung der Feindseligkeiten. Gefechte vom 2. bis 7. August. Die erste Veranlassung zum Ausbruch der Feindseligkeiten gab die Aufstellung eines vom Winde umgestürzten Triangulierungszeichens am Berge Troica1). Bisher hatte diese schon wiederholt nötig gewordene Arbeit die Montenegriner kalt gelassen. Nun aber wollten sie darin eine eigenmächtige *) *) Paic und Scherb, Die Czernagora.