Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 4. (Dritte Folge, 1906)

Major Semek: Repressaliengefechte gegen die Montenegriner im Jahre 1838

Repressaliengefeckte gegen die Montenegriner. 167 Gewalt. Ungestört konnte er jene Reformen anbahnen, welche ihm zur Erstarkung des Landes nötig, zur Befestigung und Erweiterung seiner Macht geeignet erschienen. Schon 1831 hatte er mit Rücksicht auf dieses Ziel, unter­stützt durch den russischen Oberstleutnant Oseretzkowsky, einen Senat von zwölf Mitgliedern geschaffen, die er je für ein Jahr selbst ernannte. Seinen Bruder Giorgio gab er demselben zum Präsidenten, seinen Neffen zum Vizepräsi­denten. Er erreichte damit einen Ersatz der alten Regierungs­form, der ihm alle Macht gab. Montenegro ist arm an Ressourcen jeder Art. Für das kämpfende Volk mögen sie genügen, für den eindringenden Feind sind sie weniger als zu gering. Dieser ist vollkommen auf den Nachschub angewiesen. Außer in der Nahia Belopavlic und im Kuckatal sowie an den sonnigen Abfällen der Nahia Czerniczka gegen den Skutarisee, bieten nur wenige und unbedeutende Flächen Raum zum Anbau und kargen Ertrag. In dem öden Felsgewirre, in den zahllosen Schründen und Klüften versickert das Wasser. Nur einzelne sorgsam gehütete Quellen und Zisternen sichern den Bewohnern dürf­tige Labung. Der Besitz an Vieh ist des Montenegriners Reichtum, die Zucht desselben sein Erwerb. Dieses, dann Kartoffeln und die spärlichen Produkte, welche die Natur freitätig seiner wilden Heimat geschenkt, zu verkaufen, steigt er von den Höhen dem Meere zu, nach österreichischen Landen herab und trägt dafür im Austausche Salz, Öl, Waffen und Munition nach den Bergen heim. Arm, aber auch bedürfnislos, fühlt er sich nur in seinen Felsen wohl. Mit der zähen Anhänglichkeit aller Bergbewohner hängt er an diesen. ,,0b es dort wohl ein Ozernagora gibt,” frag ein Montenegriner bang seinen Gastfreund und wies feuchten Auges zum dunkelblauen Firmament. Die Scholle', die er von seinen Vätern ererbt, der Stein selbst, auf dem seine Ahnen geschritten, die dürftige Hütte, in der sie gewohnt, sind ihm heilig. Heilig als deren Ver­mächtnis, heilig auch im Sinne seines Wahlspruches: „Mein Haus ist meine Freiheit.”

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