Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte der K. und K. Wehrmacht 4. (1905)
Die Artillerie - Geschicht der Organisation und Entwicklung der k. und k. Feld-Artillerie 1618-1903 - II. Die Feld-Artillerie-Regimenter 1772-1903 - A. Organisation
78 begnügt, für dieselbe eigene Exercier-Bespamxungs-Divisionen im Stande des Fubrwesens-Corps zu errichten1). Diese Gesichtspunkte und Erwägungen waren es, welche dem FML. Augustin bei der Neuorganisation der Artillerie 1850 vor Augen schwebten und ihn leiteten. Ausserdem erkannte er es für nothwendig, die Zahl der Geschütze in der Batterie auf 8 zu erhöhen und jene Abtheilungen im Regimente zu vereinen, welche die Bestimmung hatten, die Ausbildung von Chargen und Mannschaft für das Geschütz zu leiten; für den Dienst bei den Munitions-Reserven und Feld-Depots, ferner für die Heranbildung des Nachwuchses hingegen jedem Regimenté besondere Abtheilungen anzufügen, die in der Stabs-Station dislociert, daselbst jene Verrichtungen leisten sollten, welche die Batterien ihrer zerstreuten Dislocation wegen nicht bestreiten konnten. Die Schulen sollten bei den Regimentern jedoch als abgesonderte Körper aufgestellt werden, um den Abtheilungen nicht die nöthige Mannschaft zu entziehen* 2). Die Anträge des FML. Augustin gehen daher nebst der Forderung nach eigener Bespannung dahin: Statt der bisherigen 100 Compagnien, von denen 90 zum Felddienst bei 100 Batterien ä 6 Geschützen, dann bei den dazugehörigen Munitions- und Haupt-Reserven, 10 aber als Reserve zum Dienst im Innern der Monarchie bestimmt waren, sind 120 Batterie-Compagnien für die Bedienung der Geschütze, 10 Reserve-Compagnien aber zum Dienste bei den Munitions- Reserven etc. aufzustellen. Statt der 12 Feuerwerks-Compagnien zu 12 Baketen-Batterien mit 144 Geschützen und statt der 2 Reserve-Compagnien des Feuerwerks-Corps sollen nun 15 Raketen-Batterien und 2 Reserve-Compagnien formiert werden. Die Bespannung der Rohr- und Raketen-Batterien ist den Regimentern, respective den Batterien in Stand zu geben. Aus den 6 Compagnien des Bombardier-Corps und jener Mannschaft der Garnisons-Districte, welche zur Mithilfe bei der Munitionserzeugung und der Vertheidigung fester Plätze bestimmt war, sind, im Yerein mit der von den Artillerie-Regimentern Testierenden Mannschaft, Festungs-Bataillone zu errichten. Die Errichtung dieser Festungs-Bataillone ist umso nöthiger, als nunmehr die Batterie-Mannschaft nur zum Geschützdienst verwendet wird und die Batterien vollständig zu den bestehenden 14 Corps einzutheilen sind3). Es sollen nämlich bei jedem Corps 8 Geschütz-Batterien zu 8 Geschützen, dann 1 Raketen-Batterie zu 12 Geschützen bestehen. Ausserdem sind 2 Geschütz- und 1 Raketen-Batterie für die Militär-Grenze, 1 Geschütz-Batterie für Mainz bestimmt. Nachdem aber letztere von der Festungs-Artillerie zu bemannen ist, erübrigen, nach erfolgter Eintheilung, von den 120 Batterien der Feld-Artillerie noch 6 en reserve für das Inland. Der Stand ist in einen Friedens-, einen Bereitschafts- und einen Kriegsstand zu gliedern4). Seine Majestät der Kaiser genehmigte diese Anträge und bestimmte, dass die obigen 6 überzähligen Geschütz-Batterien auf Friedensfuss mit halber Bespannung zu halten seien5), wie er bereits früher den Antrag Augustins *) 1841 wurden für die 121 Batterien zn 6 Geschützen im ganzen 50 Exercier- Bespannungs-Divisionen bestimmt. Die Schwierigkeiten, welche sich bei der Bespannung der Geschütze zeigten, waren so gross, dass man wieder zur Errichtung der früheren Artillerie-Boss-Partei zurückgreifen wollte, doch wurde ein Mittelweg darin gefunden, dass die Feld-Artillerie ihre eigene bestimmte Bespannung beim Fuhrwesen erhielt. Der Commandant derselben war in dienstlicher Beziehung dem Artillerie-Commandanten, sonst dem Verpflegs-Inspector unterstellt und stand mit seiner Mannschaft auch bei diesem in Verrechnung. Diese Bespannung war wie das Fuhrwesen in Divisionen gegliedert. Früher im Jahre 1783 waren von den Bespannungs-Divisionen des Militär-Fuhrwesen-Corps 46 für die Artillerie bestimmt und zwar für 1086 Geschütze und 1&28 Fuhrwerke. Der Vorgang für die Mobilisierung der Artillerie-Bespannung war der, dass die für dieselbe angewiesenen Fuhrwesens-Compagnien zu den bezeichneten Artillerie-Depositorien marschierten und sich dort für ihren Zweck ergänzten. 2) K. A., Memoiren 1849, XIII, 210. 3) Siehe darüber auch die Auflösung des Bombardier-Corps und die Auflösung der Garnisons-Artillerie-Districte. 4) K. M., Praes. Nr. 1013 vom 15. Februar 1850. 5) K. M., Praes. Nr. 1469 vom 25. Februar 1850.