Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte der K. und K. Wehrmacht 4. (1905)
Die Artillerie - Geschicht der Organisation und Entwicklung der k. und k. Feld-Artillerie 1618-1903 - II. Die Feld-Artillerie-Regimenter 1772-1903 - A. Organisation
74 1803 erfolgte eine neue Standesänderung, indem die Aerzte wieder beim Stabe zu führen waren, wobei per Regiment 1 Regimentsarzt, 2 Oberärzte und 6 Unterärzte normiert erscheinen1). Mit dem Jahre 1806* 2) ersetzte die Artillerie ihre Tambours selbst, statt dieselben wie bisher von der Infanterie zu beziehen. 1811 wurde der Stand der Unter-Kanoniere per Compagnie um 3 vermindert, daher wieder auf 170 Mann gebracht3). Der Stand des Stabes betrug 43 Köpfe, indem die Oberärzte auf 4, die Unterärzte auf 8 vermehrt wurden. Das Regiment zählte 2763 Mann. Aber schon 1813 erhöhte man die Stärke der Compagnie wieder um 3 Unter-Kanoniere und 4 Korporale4). Im Jahre 1815 wurde jedes Regiment um 2 Compagnien vermehrt, so dass nun wieder 18 Compagnien per Regiment bestanden. Im folgenden Jahre gaben die Regimenter je 2 Compagnien zur Errichtung des 5. Artillerie- Begiments ab, welches aus diesen Compagnien und Theilen des aufgelösten Handlanger-Corps gebildet wurde5). Hiedurch wieder auf 16 Compagnien gesetzt, ergänzten die Regimenter die abgegebenen, respective (beim 5. Regimente) die fehlenden 2 Compagnien bis 1818 wieder. Hiebei erhielt das 1. Bataillon 6, die anderen Bataillone je 4 Compagnien zugewiesen. Von den Compagnien hatten 10 Hauptleute, 8 Capitän-Lieutenants als Commandanten. Die Standesregulierung von 1825 normierte die Stärke des Stabes mit 56 Köpfen (12 Fouriere, 1 Unterarzt mehr als 1811), der Stand der Compagnien wurde um 1 Oberlieutenant, 1 Privatdiener, 1 Corporal erhöht, dafür um 1 Fourier vermindert; die Anzahl der Kanoniere wurde jeweilig bestimmt6). Im Jahre 1845 erscheint der Stab in gleicher Stärke, desgleichen die Compagnien mit Ausnahme der Kanoniere, deren Anzahl nun auf 100 Oberund 83 Unter-Kanoniere fixiert ist7). Der Gesammt-Stand der Regimenter betrug 18.735 Mann. Die Compagniezahl blieb bis zum Feldzuge 1848—1849, in welchem sie bedeutend vermehrt wurde, ungeändert. 1850. Die Kämpfe in den Jahren 1848 — 1849 hatten die Unzulänglichkeit der Artillerie, nach Zahl und Organisation deutlich bewiesen. Diese Erfahrung musste auch den Widerstand der konservativsten Elemente der Waffe besiegen und dem Eifer, dem organisatorischen Talente und der Hingebung des damaligen General-Artillerie-Directors, FZM.Baron Augustin, für seine reformatorischen Ideen freie Bahn brechen. Die Entwicklung der einzelnen Regimenter und Corps seit 1848 bis zur Organisation des Jahres 1850 vollzog sich in nachstehender Weise. Die Auflösung des 5. Artillerie-Regiments, welches theilweise dem ungarischen Heere einverleibt worden war, erforderte schon 1848 eine Erhöhung des Standes bei den übrigen Regimentern. Aber diese genügte nicht für den Dienst bei den Batterien, den Reserve-Anstalten und in den Festungen. Man war gezwungen neue Unter-Abtheilungen zu errichten. Daher ist die Formation der Artillerie anfangs 1850, vor der Reorganisation, eine ganz andere als Ende 1847. Sie trägt natürlich nicht das Gepräge innerer, zielbewusster Entwicklung, sondern ist ein Ergebnis momentanen Bedarfes, überdies unter der Schwierigkeit einer Neuorganisation während eines Feldzuges erfolgt. x) K. A.. H. K. R. 1803, L. 6/213. Diese Verminderung der Aerzte erfolgte, weil durch zahlreiche Beurlaubungen auf unbestimmte Zeit die präsente Mannschaft wenig zahlreich war. Siehe auch 1808, G. 3291/86 über diese Massenbeurlaubung. 2) Im Jahre 1804 sollten bei der Artillerie zweite Inhaber ernannt werden, was aber nicht geschah. 3) K. A., M. J. 699. 4) K. A.. H. K. R. 1813, K. 5/487. r°) Darüber siehe 5. Regiment. 6) K. A., H. K. R., Circulare vom 22. Juli 1825, G. 2495. 7) 1812 gaben die Regimenter Mannschaft für die Probe-Compagnie zur Bedienung und Laborierung des Raketen-Geschützes ab.