Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte der K. und K. Wehrmacht 4. (1905)

Die Artillerie - Geschicht der Organisation und Entwicklung der k. und k. Feld-Artillerie 1618-1903 - I. Das Feld-Artillerie-Corps (Haupt-Corps) 1618-1772 - A. Organisation und Entwicklung

49 Im Jahre 1707 sind im Reiche nur 16 Regiments-Stücke und 24 schwere Geschütze als kaiserliche Artillerie ausgewiesen, denen 566 Mann, 354 Pferde, 146 Ochsen, 454 Fuhrknechte beigegehen waren. Bei der Mosel-Armee unter Eugen erscheinen 1708 nur 12 Geschütze. Als Artillerie-Commandanten im Reiche fungierten 1702—1710 Obrist Köchli, von 1710 FZM. Börner und Obrist Köchli, 1711 wieder Obrist Köchli, 1713 GFWM. Cäsar Graf Berzetti. Im Jahre 1711 zählte die Reichs-Armee an kaiserlicher Artillerie 40 Feld- Stücke (wie oben 16 Regiments-Stücke, 24 schwere Geschütze) mit 647 Mann, 348 Pferden, 154 Ochsen. Diese Ziffer wurde zu Ende des Krieges 1713 durch Zutransferierung eines Theiles der Artillerie aus Italien und der aus den Niederlanden wesentlich geändert. Die Belagerungs-Artillerie wurde fast ganz von dem Reiche beigestellt, zumal anfangs des Krieges. ln Ungarn standen bei den daselbst operierenden Corps an Artillerie: anfangs 2 Falkaunen, 4 Regiments-Stücke, die dann auf 12 Feld-Geschütze vermehrt wurden. 1703: 12 Feld-Stücke, welche Zahl in der Folge bestehen blieb, jedoch theilweise, so 1704, unter Heister (auf 17) erhöht wurde. Der Stand an schweren Geschützen differiert zwischen 7 und 14 Stücken. Mit Ende 1710 führt der Ausweis der Artillerie in Ungarn 17 Feld-Stücke, 14 Mörser, 757 Mann, 500 Pferde und 55 Ochsen an. Als Artillerie-Commandant standen in diesem Lande der Stückhaupt­mann, später Obrist Siebert von Molkh, dann vorübergehend 1703 Obrist­lieutenant 'Weilern und 1706 Stückhauptmann Ehrenwerth. In Bayern waren 1703 im ganzen 8 Feld-Stücke und 12 Belagerungs- Geschütze, in Ober-Oesterreich 1704, 4 Feld-Geschütze. Als Artillerie-Comman­dant füngierte Stückhauptmann Cetto. Zu dem Feldzuge des Prinzen Eugen gegen die Türken, 1716, wurden bezüglich Aufbringung und Ausrüstung der Armee die umfassendsten Vor­kehrungen getroffen. Die Artillerie sollte aus 80 bis 100 Regiments-Stücken, ferner einer Anzahl drei-, sechs- und zwölfpfündiger Falkaunen, 98 Munitions­wagen, 6 Feuerwerkswagen, 14 Kugelwagen bestehen und derselben für die Belagerung von Temesvár ein Geschütz-Park von 100 Geschützen und 40 bis 50 Mörsern beigegeben werden. Diese Belagerungs-Geschütze wurden aus den Zeughäusern Wien, Ofen, Peterwardein, Esseg, Neuhäusel, Komorn, Raab und Leopoldstadt zugewiesen. Dieser Voranschlag wurde jedoch nur theilweise realisiert. In Wirklich­keit standen bei der um Peterwardein gesammelten Armee von 53.380 Mann und 32.944 Reitern, 14 Geschwind-Stücke zu 2 Pfund, 34 dreipfündige Regi­ments-Stücke, 20 sechspfündige Falkaunen, 10zwölfpfündige Quartierschlangen 4 acht--und 6 zehnpfündige Haubitzen. In der Schlacht bei Peterwardein hatte die Artillerie ihre Hauptposition beim Retranchement und verlor 1 Zeu<r- lieutenant, 1 Stückhauptmánn, 2 alte Feuerwerker, 5 Büchsenmeister, 1 Stück­knecht. Verwundet wurden 1 Obristlieutenant, 1 Zeuglieutenant, 16 Büchsen­meister, 1 Stückknecht. Zur Belagerung von Temesvár wurden die Geschütze succesive heran­gezogen. Der erste Transport bestand aus 8 vierundzwanzigpfündigen Kar- thaunen. Bald folgten andere nach und mit 16. November standen schon mehr als 60 schwere Geschütze in Action, die mit dem Eintreffen der letzten Staffel, 7. October, die Zahl von circa 160 Geschützen und 40 Mörsern erreichten. Als Commandant der Feld-Artillerie erscheint der GFWM. Graf Berzetti von Beronza, unter welchem die Obristen Steinberg und Faber, dann Obrist Molkh standen. In Siebenbürgen waren schon 1715, 8 dreipfündige Stücke, 4 Munitions- karren, 4 Munitionswagen, 2 Kugelwagen, 1 Feldschmiede mit 2 Officieren und 65 Mann. Hiezu wurden 40 Pferde, 56 Ochsen zur Bespannung gekauft. Im Jahre 1716 wurde die Zahl der Geschütze auf 12 erhöht. Mit Beendigung des Feldzuges, also nach der Eroberung Temesvárs, kam die Artillerie in die Winterquartiere nach Arad und in das Zarander Comitat. Mercy erhielt zur Expedition gegen Orsova 6 Feld-Geschütze und 2 Mörser, doch kehrten letztere am Marsche wieder um. Bei dem Postierungs-Com- mando im Banate blieben 16 Feld-Geschütze und 38 Wagen. Geschichte der k. und k. Wehrmacht. IV. Bd. T. Tlieil. 4

Next

/
Oldalképek
Tartalom