Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte der K. und K. Wehrmacht 4. (1905)

Die Artillerie - Geschicht der Organisation und Entwicklung der k. und k. Feld-Artillerie 1618-1903 - I. Das Feld-Artillerie-Corps (Haupt-Corps) 1618-1772 - A. Organisation und Entwicklung

44 'Neben den genannten Geschützen bestanden in dieser Zeit auch die Kammer-Geschütze, welche in lange, kurze und mittlere eingetheilt wurden. Die mittleren nannte man Haubitzen, die kurzen, Mörser oder Polier. Erstere waren für 10 bis 20 Pfund, letztere für 8 bis 300 Pfund Stein berechnet. Das Bestreben der Artillerie nach weiterer Ausbildung und nach Erlan­gung grösserer Verwendbarkeit und Wirkung, machte sich auch in dieser Periode durch zahlreiche Experimente und Schiessversuche geltend. Eine Neuerung in den Feldzügen dieser Zeit ist die Einführung von Ochsen-Bespannungen für die schweren Geschütze, wozu der Mangel an Pferden und die Terrainverhält­nisse in Ungarn nöthigten. Dieselben wurden aber nur am Marsche verwendet. Die Einführung der Geschütze durch Ochsen in die Belagerungs-Batterien war verboten, da die Thiere scheuten. Die vielen Belagerungen in Ungarn waren eine tüchtige Schule für die Artillerie, umsomehr als das Personal diesem Zweige artilleristischer Thätigkeit anfangs sehr fremd gegenüber stand; mussten doch Emplacements und Schussrichtungen von den Ingenieuren bestimmt, hergerichtet und ange­geben werden. Was den Bezug des Artillerie-Materials anbelangt, so wurden nach wie vor, neue Geschütze hauptsächlich in Wien erzeugt, Geschosse etc. aber von Privaten geliefert. Durch die häufigere Zutheilung der Begiments-Stücke an die Begimenter, wurden die Wechselbeziehungen zwischen Infanterie und Artillerie gefördert. Die Frage des Munitions-Ersatzes für die Infanterie fand eine für die damaligen Verhältnisse günstige Lösung dadurch, dass die zweiräderigen Karren der Begiments-Stücke nun auch Infanterie-Munition mit sich führten. Diese Periode charakterisiert überhaupt die Emancipierung der Artillerie von der althergebrachten Abgeschlossenheit und Unnahbarkeit. In regerem Verkehr mit der Truppe, durch ihre nunmehrige Verwendung oft an diese gewiesen, lernte sie einerseits den Wert derselben für sich erkennen, anderer­seits wurde sie sich ihres Machtbereiches bewusst. Die Artillerie verlor die Weihe geheimnisvoller Kunst — diese war nun nicht mehr ihr Streben und End­ziel, sie wurde ihr vielmehr zum Mittel für den nunmehrigen Hauptzweck, den Sieg am Schlachtfelde, errungen durch thatkräftige Unterstützung der anderen Waffen. Damit wurde die Artillerie ein integrierender Factor des Heeres. Was die Stärke des bei den einzelnen Artillerien in Verwendung kom­menden Personals anbelangt, so sei beispielsweise die Dotierung im Jahre 1683 angeführt: a) Der grosse Stab: 1 Obrist, 1 Obristlieutenant, 1 Ober-Commissär, 1 Auditor, 1 Secretär, 1 Adjutant, 1 Stückhauptmann als Quartiermeister, 1 Feld-Caplan, 3 Fouriere, 6 Fourierschützen; b) der kleine Stab : 1 Feldscherer-Meister, 3 Feldscherer-Gesellen, 2 Trommelschläger, 1 Profoss mit seinem Stab ; c) das Feld-Zeugamt: 1 Zeuglieutenant, 1 Ober-Hauptmann, 1 Zeug­wart, 1 Ober-Feuerwerkmeister, 1 Proviantmeister, 1 Zeugdiener-Corporal zu Pferd, 12 Zeugdiener zu Pferd, 2 Zeugschreiber, 2 Proviantschreiber, 1 Binder­meister, 8 Zeugdiener zu Fuss, 1 Pulverhüter, 1 Unter-Geschirrmeister, 2 Ober­und 2 Unter-Schmiedmeister, 20 Schmiedgesellen, 1 Ober- und 1 Unter-Wagner- meister, 6 Wagnergesellen, 4 Sattler mit 5 Gesellen, 1 Biemermeister mit 6 Ge­sellen, 1 Zimmermeister mit 6 Gesellen, 8 Wagenbauer, 1 Commissmüller, 1 Commissbäcker, 1 Commissmetzger; d) die Feld-Artillerie-Truppe: bei den Geschützen: 8 Stückhaupt­leute, 12 alte, 12 junge Feuerwerker, 12 Büchsenmeister-Corporale, 90 Büchsen­meister, 1 Handlanger-Corporal, 40 Handlanger; an Petardierern: 1 alter, 2 junge Petardierer; an Minierem : 1 Minier-Hauptmann, 1 Minier-Lieutenant, 1 Minier-Feldwebel, 8 Minier-Gesellen; e) Brücken- und Schanzbauer: 1 Stück- und Bruck-Oberhauptmann, 1 Schanz - Hauptmann, 2 Wegbereiter, 1 Bmckmeister, 1 Zimmermeister, 24 Zimmergesellen; f) Boss-Partei: 1 Ober-Wagenmeister, 1 Ober-Geschirrmeister, 1 Ge­schirrmeister, 1 Bossarzt, 11 Wagenmeister, 11 Geschirrknechte, 648 Artillerie­knechte.

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