Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte der K. und K. Wehrmacht 4. (1905)
Die Artillerie - Geschicht der Organisation und Entwicklung der k. und k. Feld-Artillerie 1618-1903 - I. Das Feld-Artillerie-Corps (Haupt-Corps) 1618-1772 - A. Organisation und Entwicklung
42 Ueber die Armee im Reiche, 1697, fehlen genauere Daten, doch dürfte sich die Stärke ihrer Artillerie nicht von jener der Vorjahre unterschieden haben1). Der Armee in Ungarn unter dem Commando des Prinzen Eugen von Savoyen, war FZM. Christoph von Börner als Artillerie-Commandant beigegeben. Vor dem Eintreffen des Prinzen Eugen standen in diesem Lande und in Siebenbürgen eine Anzahl von Geschützen bei den Corps der Generale Starhemberg und Rabutin, ebenso vor Bihac bei dem Corps Auersperg, Bei letzterem waren für die durchzuführende Belagerung nebst den speziellen Belagerungs-Stücken auch 32 Feld Stücke. Mit dem Eintreffen Eugens wurden diese Artillerien grösstentheils vereinigt; bei Zenta verfügte Eugen über 60 Geschütze. Hievon traten schon vor der genannten Schlacht 12 Geschütze bei Titel in Action. In der Schlacht bei Zenta war die Artillerie allerdings nicht zu den Bataillonen eingetheilt, sondern an den Flügeln und im Centrum und zwar: im Centrum 26 Stücke, am rechten Flügel 12, in der Reserve desselben 2, am linken Flügel 10, in der linken Flanke ebenfalls 10. Die Thätigkeit der Artillerie in dieser Schlacht war eine hervorragende. FZM. Börner erhielt auch für die Tüchtigkeit und Verwendung derselben einen kaiserlichen Dankbrief. An Personal fielen 10 Mann, 2 Stückhauptleute und 35 Mann wurden verwundet. Nach dem Feldzuge, mit dem Beziehen der Winterquartiere, kam der grösste Theil der Artillerie nach Böhmen. Für den Streifzug des Prinzen Eugen von Savoyen blieben 12 Feld- Geschütze und 2 Mörser, für die Unternehmung gegen Pancsova 6 Feld-Stücke und 1 Mörser zurück. 1698. Eugen von Savoyen plante für das Jahr 1698 den Angriff auf Belgrad, um diese wichtige Festung den Türken zu entreissen. Er traf hiezu die umfassendsten Vorbereitungen und drang vor allem auf eine starke Belagerungs-Artillerie. An Karthaunen allein verlangte er 80 halbe und 20 Viertel- Karthaunen. Die Aufstellung dieses Belagerungs-Parkes entfiel aber mit dem Aufgeben des Planes, gegen Belgrad vorzugehen. Die Feld-Artillerie sammelte sich im Lager bei Kulloth. Ihre Stärke ist nicht genau bekannt, doch dürfte sie der im Vorjahre angegebenen gleich gewesen sein. Zur Verwendung kam sie mit Ausnahme der acht am Streifzuge gegen Temesvár betheiligten Geschütze nicht. In den folgenden Friedens-Jahren, 1699—1700, wurde die Artillerie theil- weise abgedankt, die Mannschaft entlassen, die überzähligen Büchsenmeister nach Möglichkeit in den Zeughäusern ,,accommodiert”. 2. Die Entwicklung der Artillerie. Die Verhältnisse in der Zusammensetzung der Artillerie blieben in dieser Periode die gleichen wie in den früheren. Mit der stets zunehmenden Bedeutung derselben als unentbehrlicher Waffe neben Infanterie und Reiterei, gieng eine bedeutende Vermehrung des Standes an Personal und Geschützen Hand in Hand. Mit ersterer ergab sich allmählich gegenüber der früher schon unbewusst vorhandenen, eine scharfe und bewusste Sonderung des Personals und sohin unterschied man zu Montecuccolis Zeit bei der Feld-Artillerie organisatorisch: a) den grossen Stab; b) den kleinen Stab; c) das Feld-Zeugamt; d) die Feld-Artillerie-Truppen; e) die Brücken- und Schanzbauer; f) die Ross-Partei. Der grosse Stab bestand aus dem Commandanten und seinen Hilfsorganen. Der kleine Stab umfasste jene, welche weder Professionisten noch Combattanten waren. Das Feld-Zeugamt, zur Verwaltung des bei der Armee befindlichen Artillerie-Materials bestimmt, wurde durch die Haus-Artillerie aufgestellt und x) Ihrer Einzelanfiihrung tritt auch der Umstand hindernd entgegen, dass infolge der Verschmelzung der kaiserlichen Artillerie mit jener der Contingents-Truppen und der Kreise, sowohl im Lager als in den Gefechten, die -Feststellung rein kaiserlicher Artillerie nicht möglich ist.