Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte der K. und K. Wehrmacht 4. (1905)

Die Artillerie - Organisation und Entwicklung des Feld-Zeugamtes 1772-1850

251 completen einen Ausweg fand, so ergab deren Aufbringung und Qualität doch manche Uebelstände. Ein solcher lag darin, dass die nöthige Vermehrung nicht rasch genug durchgeführt werden konnte ; ein weiterer darin, dass nur wenig geschulte Individuen neben zahlreichen ungeschulten zur Verwendung kamen, da ja der durch die Verhältnisse geforderte Stand den nominierten oft um das Drei­fache übertraf. Bei der grossen Wichtigkeit, welche dem Feld-Zeugamt hinsichtlich der Erzeugung, Reparatur und Verwaltung der Munition und des Materials zu­kam, wirkte ein solches Verhältnis direct schädlich. Infolgedessen wurde bei der neuen Standes-Bestimmung für die Armee auch eine Regulierung des Friedens-Standes beim Feld-Zeugamte durchgeführt1). Die Activierung desselben erfolgte mit 1. Februar 1802. Im Vergleiche zum Stande von 1791 trat beim Stabe eine Vermehrung von 4 Unter-Zeugwarten, 1 Unterarzt, 16 Munitionären und 19 Unter-Kano­nieren als Privatdienern ein2). Der Stand an Officieren beim Zeugs-Personal wurde um 1 Hauptmann, 3 Oberlieutenants, 5 Unterlieutenants, der Mannschafts-Stand um 147 Köpfe erhöht. Der Gesammt-Stand betrug also 465 Mann. Die Veränderungen in der Zahl der Posten sind für das genannte Jahr folgende: Aufgelöst erscheinen mit April 1802 der Posten zu Pressburg, mit Mai jener zu Braunau. Die Mannschaft des ersteren kam zum Prager, jene des letzteren zum Wiener Posten. Neu errichtet wurden aus dem Stande des Prager Postens jener zu Carlstadt, aus jenem des Wiener Postens der zu Peterwardein, aus jenem des Budweiser Postens der zu Carlsburg. Bis zum Feldzuge 1805 ergaben sich daher folgende Feld-Zeugamts-Posten: Wien, Budweis, Prag, Brünn mit der Filiale Olmütz, Graz, Krakau, Carlstadt, Ofen, Lemberg, Palmanuova, Peter­wardein mit den Filialen Esseg und Temesvár, Carlsburg. Erst der Verlauf desselben machte, infolge der Operationen und Ereig­nisse, neue Veränderungen der genannten Posten nöthig. Es wurden: im September der Posten Krakau als solcher aufgehoben und zum Detachement des Feld-Zeugamtes bei der Armee in Deutschland ein- getheilt; der Posten Lemberg zur Verstärkung des Brünner Postens, der Posten Ofen als Detachement zur Artillerie-Reserve in Tyrol bestimmt. Der Posten Peterwardein kam theils in den Wiener Posten, theils zur dritten Ab­theilung der italienischen Feld-Reserve ; der Posten Carlstadt zum Detache­ment in Tyrol. Im October wurde der Carlsburger Posten eingezogen und dem ersten Feld-Depot der Armee in Deutschland zugetheilt; im November der Posten Brünn für die Arbeiten der Vertheidigungs-Instandsetzung nach Olmütz dispo­niert, der Posten Palmanuova als Detachement zur italienischen Haupt- Reserve herangezogen. Schliesslich erscheint auch der Budweiser Posten dem Olmützer Vertheidigungs-Detachement einverleibt. Die neu fixierte Stärke des Feld-Zeugamtes mit 465 Mann genügte natürlich auch für diesen Feldzug nicht. Statt aber, wie in der letzten Zeit, den Friedens-Stand auch im Kriege als bestehend anzusehen und das Mehr­erfordernis an Personen als überzählig zu betrachten, wurden nun wieder fall­weise mit Rücksicht auf die Bedürfnisse, welche sich im Laufe des Feldzuges ergaben, neue Standes-Bestimmungen getroffen, ohne dass man aber dadurch einen festen Kriegs-Stand schuf. Dies bedingte allerdings nur eine administrative Aenderung des bis­herigen Verhältnisses, indem nun die Ueberzähligen entfielen. Die jeweilige Stärke des Feld-Zeugamtes betrug im Feldzuge dieses Jahres erst 942, später 979 Köpfe. Diese Ziffer erhielt sich bis Juli 1806, denn die durch Allerhöchste Resolution schon mit 9. Juni 3) d. J. anbefohlene und mit Rescript der General­■) K. A., H. K. K. 1801, 18, 163. Siehe Anhang IX.-) Erläuternd sei hiebei bemerkt, dass nun wie überall die bisherigen Unter- Chirurgen den Namen Unterarzt erhielten, ferner, dass für die Zeugwarte und Subaltem- Officiera Unter-Kanoniere als Privatdiener systemisiert wurden. 3) K. A., Mem., XIII, 245.

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