Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte der K. und K. Wehrmacht 4. (1905)
Die Artillerie - Organisation und Entwicklung des Raketeur- und Gebirgs-Artillerie-Regiments 1817-1865 - A. Organisation
Das Raketeur- und Gebirgs-Artillerie-Regiment 1815-1864. A. Organisation. Schon im Jahre 1808 erfolgten unter Leitung der Ober-Feuerwerkmeisterei Versuche zur Erzeugung von Brandraketen nach Art der Congrcve- schen. Die mit 24. März d. J. auf der Simmeringer Heide durchgeführten Erprobungen wurden jedoch durch die folgenden Kriegsereignisse unterbrochen. Während des Feldzuges 1813—1814 hatte Major Augustin des General- Quartiermeister-Stabes, gelegentlich seiner Commandierung bei dem Kronprinzen von Schweden, Gelegenheit, die Eigenschaften der Congröve’schen Raketen theoretisch und praktisch kennen zu lernen. Ende 1814 machte er in Wien die Bekanntschaft des dänischen See-Capitäns von Schumacher, welcher Director zweier Raketen-Batterien in Dänemark war. Die Ausführungen dieses Offlciers brachten ihn zur TJeberzeugung, dass mit Einführung der Raketen in die k. k. Armee eine neue Epoche für die Artillerie geschaffen würde, indem dieselben, entgegen der bisherigen allgemeinen Meinung, nicht nur als indirectes Kampfmittel gegen die Cavallerie. sondern auch als directe Waffe gegen jede Truppengattung, als Ersatz und Ergänzung der Geschütze, verwendbar seien. Es war vor allem nöthig, dass Major Augustin mit der Fabrication der Raketen vertraut, in die Construction und Anlage der Maschinen etc. eingeführt werde. Der König von Dänemark gab auf des Kaisers Wunsch bereitwillig seine Erlaubnis und Major Augustin erhielt nun unter Wahrung des grössten Geheimnisses an Ort und Stelle (Kopenhagen) durch persönliche Anschauung alle wünschenswerten Auskünfte 1). Mit März 1815 kehrte er in jeder Hinsicht orientiert, nach Wien zurück. Hier wurde ihm über seine Bitte die Einrichtung einer Fabrik nächst Wollersdorf gestattet. Geplant war vor allem die Aufstellung je zweier leichter, schwerer und Cavallerie-Batterien. Jede schwere Batterie sollte 2, die beiden leichten und die Cavallerie-Batterien zusammen je 2 Geschütze erhalten. Anfangs wurden dem Major Augustin nur zwei Individuen der Artillerie nebst einem Pionnier-Detachement zugewiesen, doch bald nach Beginn der Arbeiten bestand seine Abtheilung aus einem Artillerie-Offlcier (Lieutenant Burkhard), je 24 Ober- und Unter-Feuerwerkern, 3 Corporalen, 40 Bombardieren und Kanonieren, ferner 1 Feldwebel und 20 Gemeinen des Pionnier- Corps. Letztere wurden 1816 auf 36 vermehrt2). An Professionisten waren 1 Tischlermeister, einige Schlossergesellen und 10 Militär-Professionisten aus der Landwehr und den nächsten Regimentern beigegeben. Schon im selben Jahre sollten die ersten zwei Raketen-Batterien bei der Belagerung von Hüningen verwendet werden. Als jedoch Major Augustin vor dieser Stadt ankam, war dieselbe bereits eingenommen. Um sich nun doch von der Brauchbarkeit der neuen Waffe zu überzeugen, wurden bei >) K. A., Ilern. 1815—1823, XIII, 218. 2) K. A., Mem. 1815—1825, XIII, D. 10, 21. Geschichte der k. und k. Wehrmacht. IV. Bd. I. Theil. 13