Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 3. (Dritte Folge, 1904)

Major Semek: Die Artillerie im Jahre 1809

Die Artillerie im Jahre 1809. 85 Damals wurde, soweit die Transportmittel ausreichten, alles Verfügbare an Munition und Materiale in das Felddepot gesendet. Die letzten der Reserveanstalten und gleichzeitig jene, von welchen alle übrigen ausgingen und direkt oder indirekt mit den verschiedenen Artilleriebedürfnissen versorgt wurden, waren die Hauptdepots. Die Ausrüstung der Artillerie geschah vom Feldzeug­amte. Dieses hatte das gesamte Feldmateriale in Verwahrung, Verwaltung und Verrechnung. Hiezu war dasselbe an be­stimmten Orten konzentriert. Die Wahl der Orte war keine zufällige, sondern basierte auf der Überlegung, wo und gegen wen es notwendig werden konnte, eine Armee aufzustellen. Begreiflicherweise dachte man in erster Linie an den Norden und Westen und sammelte den größten Teil der Vorräte in Graz, Budweis, Brünn und Wien. Der Süden der Monarchie war wenig bedacht, die dort aufgestellten Depots gering dotiert. Man war der Meinung, von Wien rasch genug auf der Donau das nötige Materiale heranziehen zu können1). Diese Konzentrationsorte der Feldartillerievorräte wurden nun im Kriege naturgemäß einerseits zu Artillerieausrüstungs­stationen, andererseits in weiterer Folge zu sogenannten Hauptdepots. Die Ergänzungen, für welche diese Hauptdepots zu sorgen hatten, umfaßten alles: Bewaffnung, Munition, Fuhrwerke etc.2). Zur Deckung des Bedarfes wurde Vorhandenes aus­gegeben, Fehlendes neu erzeugt. Die Schilderung der Verhältnisse bei den Reserveanstalten drängt unwillkürlich die Frage auf, wie der Ersatz an Munition, eventuell auch an Geschütz, Fuhrwerken etc. im Jahre 1809 durchgeführt wurde. Zur Beantwortung derselben soll die Gliederung und Einteilung der Artillerie im Kriege kurz rekapituliert werden. ‘) Diese Einteilung rächte sich 1809 bitter. Brünn wurde evakuiert, die Vorräte in Wien fielen größtenteils dem Eeinde in die Hände, der Verkehr mit Budweis und Prag war unterbunden und dort, wo die Armeen standen, in Ungarn, waren ungenügende Vorräte deponiert. 2) Im Feldzüge 1809 litten die Hauptdepots und damit auch die Armee Mangel an Gewehren und Gewehrmunition.

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