Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 3. (Dritte Folge, 1904)

Hauptmann Veltzé: Aus den Tagen von Pordenone und Sacile. Die österreichische Offensive in Italien 1809 (10. bis 30. April) - Die französisch-italienische Armee

138 V e 11 z é. In Dalmatien standen unter dem Befehle des Generals Marmont: das 11. französische Korps mit den Divisionen Montrichard und Clausel, 15 Bataillone und 2 Eskadronen. Zusammen 10.500 Mann, 300 Pferde, dann 1400 Mann Be­satzungstruppen in Zara und Cattaro, endlich zirka 5000 durch Konskription aufgebrachte dalmatinische Landestruppen1). Es würde einer Unterschätzung Napoleons gleich­kommen, wenn man dem Gedanken Raum geben würde, daß er sich habe von den Ereignissen überraschen lassen; seine ganze Korrespondenz mit dem Prinzen Eugen in den ersten Monaten des Jahres 1809 läßt in jeder Zeile die Absicht einer gleichzeitigen, kräftigen Offensive aus Italien und Dalmatien durchblicken. Richtig ist nur, daß Frankreich gerade in diesem Zeitpunkte ein neuer Krieg nicht willkommen sein konnte, aber der Kaiser selbst hatte sich mit dem Gedanken bald abge­funden : ,,I1 parait que l’Autriche veut la guerre; si eile la veut, eile l’aura2)! Tatsächlich war Österreich zu Beginn des Monats April noch nicht vollkommen gerüstet; selbst die Landwehren ließen noch vieles zu wünschen übrig, geschweige denn die kroatische und die ungarische Insurrektion! Napoleon hielt es daher für unmöglich, daß Österreich in so unfertigem Zustande losschlagen werde und erwartete den Ausbruch des Krieges viel später. Der Nachteil, den die überraschende Kriegserklärung für die Franzosen unzweifelhaft zu Beginn in sich barg, ward im weiteren Verlaufe des Feldzuges mehrfach auf­gehoben durch die schon nach kurzer Zeit fühlbar werdenden Mängel in der kaum halbfertigen Organisation der Landes­verteidigung. Tirol unter FML. Chas teler bildete einen Teil des VIII. Armeekorps und wurde stets den Streitkräften des Erzherzogs Johann zugezählt; warum unterläßt man es aber dann, jene bayrischen Truppen wenigstens indirekt der Armee des Prinzen Eugen zuzurechnen, welche die Abde­tachierung dieses Korps notwendig machten? Und wenn man die Truppen des GM. Stoichevich dem IX. Armeekorps zurechnet, warum ignoriert man die 3 französischen Brigaden in Dalmatien? J) K. A., E. A. 1809, Op. Journ. 52. 2) Napoleon an Eugen, 20. Februar. (Du Casse, II, 348.)

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