Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 3. (Dritte Folge, 1904)

Hauptmann Veltzé: Aus den Tagen von Pordenone und Sacile. Die österreichische Offensive in Italien 1809 (10. bis 30. April) - Die Armee des Erzherzogs Johann

130 V e 11 z é. Man könnte nur allenfalls darüber rechten, ob der An­marsch der Hauptarmee auf einer einzigen Straße, die aus­reichende Verwertung einer Überraschung des Gegners nicht in Frage stellte. Tatsächlich verflossen seit dem Aufbruche von Karfreit drei volle Tage, ehe alle Kräfte bei Udine kon­zentriert waren und das österreichische Heer seine Offensiv­bewegung antreten konnte. Es wäre vielleicht vorteilhafter gewesen, die Straße nach Cividale für die Kavallerie, den Train, zum Teile auch für die Artillerie zu reservieren und der Infanterie in mehreren Kolonnen jene Wege anzuweisen, welche in das Torretal, in jenes der Malina etc. führen, wodurch es möglich gewesen wäre schon entwickelt in die Ebene zu debouchieren und sofort mit den Operationen zu beginnen. Der Erzherzog hatte sich entschlossen, mit der Haupt­kraft, 30 Bataillonen, 30 Eskadronen, dem größten Teil der Artillerie und dem Train, über den Predil nach Flitsch und Karfreit zu marschieren, um von hier aus durch das Natisone- tal bei Cividale vorzubrechen; ein Detachement (3 Bataillone, 2 Eskadronen und einige Geschütze) wurde bestimmt, die Grenze einen Tag früher zu überschreiten und über Pontebba durch das Fellatal vorzurücken mit der Absicht, den Gegner über die Anmarschlinie des Gros der österreichischen Armee zu täuschen und die Kräfte der zur Beobachtung dieses De- bouchés bestimmten Division Broussier zu binden. Auch der Befehl zum Beginne der Feindseligkeiten ent­sprach diesem Gedanken, indem FML. Chasteler die Grenze am 9., die Kolonne bei Pontebba am 10. morgens, jene am Isonzo am 10. abends übersetzen sollten, während die Hauptarmee die Operationen erst am 11. April, nach erfolgter Konzentrierung bei Karfreit, zu beginnen be­rufen war. Die Witterung war selbst für die frühe Jahreszeit denkbar ungünstig; seit acht Tagen hatte es fast unaufhörlich ge­schneit und die Truppen waren in der rauhen Gebirgsgegend, in ihrer für eine Sommerkampagne berechneten, verhältnis­mäßig leichten Bekleidung, der empfindlichen Kälte fast wehr­los ausgesetzt.

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