Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 3. (Dritte Folge, 1904)

Hauptmann Veltzé: Aus den Tagen von Pordenone und Sacile. Die österreichische Offensive in Italien 1809 (10. bis 30. April) - Die Armee des Erzherzogs Johann

122 V e 11 z ó. Etsch nicht den gewünschten Erfolg auf den Ausgang des ganzen Feldzuges zu nehmen. Zu einer Offensive nach drei Seiten, gegen Italien, Tirol und Dalmatien, konnten zwei Armeekorps unmöglich aus­reichen; jeder Schritt nach vorwärts mußte das inneröster­reichische Heer auf seinem Hauptoperationsfelde in Italien schwächen, es dem toten Punkte näher bringen, wo es von der Übermacht des sich im gleichen Maße verstärkenden Gegners aufgehalten und endlich ohne Nutzen für die große Entscheidung zurückgeworfen werden mußte. Napoleon war fest überzeugt, daß die Österreicher in ihrer von der Natur aus begünstigten Stellung in Kärnten und Krain defensiv verbleiben würden; daß er sich darin getäuscht sah, gereichte seinen eigenen Plänen sehr zum Vorteile. Die Zahl spielt im Kriege eine bedeutsame Holle und sie mußte hier ganz besonders ins Auge gefaßt werden. Das VIII. und IX. Korps zählten am 1. April zusammen zirka öO.OOO Mann an Linientruppen; hievon waren abzuziehen: 5000 Mann die gegen Dalmatien, 4000 die nach Tirol gesendet wurden, 1000 die Istrien zu räumen hatten und Triest sowie Fiume besetzt hielten; es verblieben daher an Kerntruppen 40.000 Mann. Die bei einem siegreichen Vordringen unbedingt not­wendigen Detachierungen für die Blockadekorps von Palmanova, Osoppo, Venedig mußten in der Folge diese Zahl noch erheb­lich verringern, ganz abgesehen von den natürlichen Abgängen durch Krankheiten, Gefechte, Desertionen etc. Was blieb dann noch übrig, um die hinter der Etsch mit Sicherheit zu erwartenden acht feindlichen Divisionen, mit den reichen Zufuhren aus Italien, Neapel, Frankreich zu bekämpfen? Nachdem der Gedanke eines defensiven Verhaltens ganz aufgegeben war, blieb zu erwägen: ob man mit der Haupt­kraft durch das Pustertal nach Tirol und weiter im Tale der Eienz und Etsch gegen Oberitalien oder aber direkt durch Friaul vorstoßen solle. Selbst in dieser Hinsicht war lange kein Einvernehmen zu erzielen, obwohl von diesen beiden Varianten die Idee des direkten Einmarsches in Wien stets mehr Anhänger zählte,, da

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