Mitteilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 3. (Dritte Folge, 1904)

Hauptmann Veltzé: Aus den Tagen von Pordenone und Sacile. Die österreichische Offensive in Italien 1809 (10. bis 30. April) - Einleitung

Der Beginn des Jahres 1809 glich der Buhe vor dem Sturme. Jedermann war sich bewußt, daß ein gewaltiger Kampf unvermeidlich sei, aber man durfte sich auch darüber nicht täuschen, daß Österreich allein stehen werde gegen Frankreich, Italien, Polen, gegen die Deutschen des Rheinbundes und gegen alle jene Staaten, welche nur einer Laune Napoleons ihre Selbständigkeit verdankten; denn von englischer Seite waren doch nur Subsidien zu erwarten und die tapferen Spanier waren nahe daran, der Übermacht der französischen Heere zu unterhegen. „Erst Spanien, dann Österreich!” In AVien fühlte man nur zu gut, daß nach der Nieder- ringung der Aufstände im äußersten Westen Europas Napoleon seine Blicke wieder dem Donaureiche zuwenden werde. Noch bildete dieses eine Macht, welche der Franzosen­kaiser bei seinem Spiele auf dem europäischen Schachbrette ernstlich in Rechnung ziehen mußte. Der Friede von Luneville1) hatte den Rhein als West­grenze des deutschen Reiches festgesetzt und die Stellung Österreichs in Italien dadurch gefährdet, daß die französischen Vorposten an den Ufern der Etsch standen. Noch um ein Bedeutendes verdüsterte sich die Situation nach dem Frieden von Preßburg2). Bedingten die erheblichen territorialen Ver­luste, mit welchen Österreich diese Waffenruhe — denn nur eine solche konnte es sein — erkaufen mußte, schon an und für sich eine weithin fühlbare Machtverschiebung, so versetzte die Art und Weise, wie Napoleon mit den Ländern und Be­wohnern des deutschen Reiches einen förmlichen Schacher trieb, *) 1801, 9. Februar. 2) 1805, 26. Dezember. 8*

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