Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 5. (1903)
Die Landes-Vertheidigung - Die Aufgebote in den Erblanden bis 1809 - II. Die Aufgebote in den einzelnen Provinzen
76 in die Wälder geflüchtet hatte, erwies sich dessen Sammlung als undurchführbar *). Erst als der kaiserliche FZM. de Souches die Leitung der Landes- Vertheidigung in die Hände nahm, wobei demselben eine grössere Zahl regulärer Truppen zur Verfügung standen2), konnte an eine theilweise Organisierung geschritten werden, wobei jedoch die meisten Kreise erklärten, mit dem dritten Manne per Lahne nicht aufzukommen und höchstens in der Lage zu sein, den vierten oder fünften Mann zu stellen. Zur Deckung der Pässe über die Karpathen commandierte Freiherr Georg Valerian von Podstatzky einige hundert Walachen bei Ungarisch-Brod und Meseritsch. Nach dem Falle von Neuhäusel brach eine grössere Schar Türken über den Hrosenkauer Pass nach Mähren ein uud drang verwüstend nach Schlesien vor. Dagegen hatte der Commandant von Hradisch, Obrist Prinz Holstein, gegen Ende des Jahres einige hundert Aufgebots-Beiter dem hart bedrängten Trentschin zu Hilfe gesendet. Im Jahre 1664 überliessen die Stände dem Kaiser 1500 Mann geworbener Landvölker unter Obristlieutenant l’Escourault und 1000 Mann zu Pferd, unter Obrist Schmidt8), welche Truppen sie bis zum Aufbruche nach Ungarn verpflegten. Im Jahre 1677 wurde von den Ständen das Project zur Errichtung einer ständigen Land-Miliz für Mähren ausgearbeitet und erhielt dasselbe auch die Genehmigung des Kaisers4). Hiernach sollte von je 10 Lahnen ein Musketier, von je 30 solchen ein Dragoner gestellt werden. Aus diesen waren 10 Compagnien zu Fuss ä 160 Mann und 5 Compagnien Dragoner ä 100 Mann zu formieren. Die Abgestellten sollten zu Hause im Gebrauche des Feuergewehres öfters durch die Unterofficiere geübt und monatlich einmal in der Kreisstadt, oder einem eventuell auch als Musterplatz bestimmten Orte zur weiteren Ausbildung durch die Hauptleute oder höheren Vorgesetzten versammelt werden. Solange die Mannschaft zu Hause blieb, hatte dieselbe ein Wai-tgeld zu erhalten5), bei der Ausrückung auf die Grenz-Pässe gebührte das Doppelte und das „Commisbrot”. Die in diese Abtheilungen Eingereihten wurden 1678 für den Kaiser beeidet und erhielten die Compagnien auch Fahnen. Als Sammelplätze waren Auspitz für den Brünner, Znaymer und Iglauer, Klobouk für den Olmützer und Prerauer, Ungarisch-Brod für den Hradischer Kreis bestimmt. Iu diesen Städten war Vorsorge für die Anhäufung von Lebensmitteln zu treffen, damit die Mannschaft selbe zu mässigem Preise beziehen könne. Auf einigen Bergspitzen in den kleinen Karpathen, dem Javomik, der Lipova Hora u. a. wurden Feuerzeichen und Signale errichtet, auch die Wälder und Pässe gegen die Grenze Ungarns durch Verhaue und Schanzen gesichert. Zur Besetzung der letzteren sollten neben den Schützen und Jägern auch einige hundert „Walachen” geworben werden6). x) D’Elvert, ,,Zur Cultur-Geschichte Mährens und Oesterreichisch-Schlesiens”, XV. Band der Schriften der historisch-statistischen Section der k. k. m. s. Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde, Seite 7 und ff. 2) Er hatte auch das Verlangen gestellt, dass ein Theil des niederösterreichischen Aufgebotes zur Besetzung der Grenz-Pässe an der March heran gezogen werde. 3) Erstere wurden zum grössten Th eile in das Regiment Monte vergu es (1665 aufgelöst) incorporiert; das Regiment des Obristen Schmidt wurde 1665 in das Regiment Nostitz (Dragoner-Regiment Nr. 7) incorporiert. (Siehe II. Band, Seite 144 und III. Band, Seite 587.) 4) D’Elvert, Seite 38. 5) Dasselbe betrug für den Hauptmann 10 Gulden, Lieutenant 7 Gulden, Feldwebel 4 Gulden monatlich u. s. w. (der gemeine Knecht erhielt 45 Kreuzer) ; bei den Dragonern waren diese Gebühren höher bemessen. 6) Bei diesen erhielt der Hauptmann oder Anführer täglich 30 Kreuzer, der Heyt- manik 14, der Dwatzatnik 10, der Gemeine 8 Kreuzer.