Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 5. (1903)

Die Landes-Vertheidigung - Die Aufgebote in den Erblanden bis 1809 - II. Die Aufgebote in den einzelnen Provinzen

56 seien, die angegriffenen Posten zu unterstützen oder aufzunehmen und die Verbindung mit dem Inneren des Landes zu sichern. Ausser den verschanzten Posten ist dem eindringenden Feinde nirgends ein hartnäckiger Widerstand entgegenzusetzen; er soll von vorne nur so lange aufgehalten werden, als nöthig ist, die dazu bestimmten Abtheilungen der Landes-Miliz-Compagnien und der Bezirksstürme auf die Höhen, in die Flanken und in den Rücken des Feindes zu führen. Die Bezirksstürme und selbst die Landes-Miliz sollen nie einen geschlossenen Angriff unternehmen, nie auf die concentrierte Stärke des Feindes geführt werden, sondern nur in Haufen von 10, höchstens 20 Mann, nicht zu nahe aneinander gereiht, in Waldungen, hinter Felsen­klippen, in Schluchten, auf schwer ersteiglichen Pfaden die Höhen zu beiden Seiten des Feindes und nach Zulässigkeit in dessen Rücken besetzen, die ge­schlossenen Haufen des Gegners in steter Unruhe erhalten und überhaupt nur Schützendienste thun. Sie haben daher nie hartnäckig festen Stand zu halten und sollen nur darauf bedacht sein, kleinere, zu weit ins Gebirge vor­gedrungene Abtheilungen abzuschneiden und gefangen zu nehmen. Auf solche Art wird der Feind in eine Lage gebracht, die ihn hindert, von seiner Ueber- macht Gebrauch zu machen. Immer nur im kleinen, aber unaufhörlich Schaden leidend, soll er zu schaden unvermögend gemacht werden. In steter Bewegung erhalten, soll er das Schicksal vor sich sehen, durch eine missliche Lage auf­gerieben zu werden und um nicht als Opfer des Hungers zu fallen, endlich das Land selbst räumen zu müssen etc. 1).” Von den vier organisationsmässig aufgebotenen Regimentern2) wurden das 1. und 2. zur Vertheidigung der Pässe in Nord-Tyrol und bei Finstermünz, das 3. an der West-Grenze, das 4. in Süd-Tyrol postiert; später jedoch 18 Compagnien derselben an der Nord-Grenze verwendet, die übrigen 6 dienten als Reserve. Zur raschen Fertigstellung einiger anzulegender Verschanzungen wurden aus den Salzberg-Arbeitern in Hall und den Knappen von Schwaz 4 Pionnier-Compagnien gebildet. Die tapfere Vertheidigung des Strub-Passes durch die Miliz unter Major Graf Wolkenstein, den Hauptleuten Hörwart er, Reicher, Gruberund Wintersteller, ebenso wie jene der Scharnitz, an welcher unter Commando des Oberstlieutenants Swinburne von Erzherzog Ludwig-Infanterie Nr. 8 4 Miliz- und 3 Scharfschützen-Compagnien theilnahmen3), bilden erneuerte Glanzpunkte in der Geschichte der Tyroler Landes-Vertheidigung4). Durch den Frieden von Pressburg wurde Tyrol von Oesterreich los­getrennt und an Bayern abgetreten. In Bezug auf das Milizwesen wurde das Land von der bayerischen Regierung ziemlich schonend behandelt; es stellte nur ein durch Werbung zu completierendes Jäger-Bataillon von 5 Com­pagnien s). Im übrigen wurde auch die Errichtung von Bürger-Miliz-Abthei- lungen begünstigt, die aus allen Waffengattungen bestehen konnten; auch sollte 1808 auf dem Wege der Conscription eine National-Garde6) gebildet werden. Wenn auch die Erhebung der Tyroler im Jahre 1809 streng genommen nicht in den Rahmen dieses Werkes gehört, da Tyrol damals eben keine österreichische Provinz war, so kann dieselbe, insbesondere da solche,, wenigstens in der ersten Zeit, von kaiserlichen Truppen unterstützt und von Vergleiche: ,,Nachrichten über den Feldzug der Oesterreicher in Tyrol vom Jahre 1805” in: Der ,,Sammler für Geschichte und Statistik von Tyrol”, 4. Band, Inns­bruck 1808. 2) Bei jedem derselben war ein zweiter Stabs-Officier ernannt worden, und zwar: die Majore Veyder beim 1., Leiss beim 2., Baron Sagburg beim 3. und Piombazzi beim 4. Bataillon. 3) Erstere standen unter den Hauptleuten Zolchner, Leiss, Hibler und Spath, letztere unter Hauptmann Gruber; die Gesammtstärke dieser sieben Compagnien betrug 900 Mann. 4) Ausser diesen grösseren Affairen kam noch die Kitzbüchler Schützen-Compagnie unter Hauptmann Hager am Pass’ Lueg (Unken), ebenso die Miliz-Compagnien der Hauptleute Sailer und Marberger am Luetasch-Passe zur Action. 5) Später 7. leichtes Bataillon Günther genannt. 6) In Innsbruck wurde ein Bataillon Bürger-Miliz formirt, welches aus 4 Füsilier-,. 1 Grenadier- und 1 Jäger-Compagnie bestandähnliche Abtheilungen wurden in Neu­markt, Schwaz, Hall und Bozen errichtet.

Next

/
Oldalképek
Tartalom