Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 5. (1903)

Die Landes-Vertheidigung - Die Aufgebote in den Erblanden bis 1809 - II. Die Aufgebote in den einzelnen Provinzen

33 Das Exercitium sollte in der Landessprache beigebracht werden; die Hauptleute, welche aus dem Stande der verabschiedeten kaiserlichen Officiere genommen werden sollten, hätten die Verpflichtung zu übernehmen, den Com­pagnie-Bezirk vierteljährlich zu inspicieren, um sich von dem Fortgang der Ausbildung der Mannschaft, welche alle Sonntage durch die Corporale im (febrauch der Feuerwaffen geübt werden sollte, zu überzeugen. Zur Hebung ihrer Autorität sollten die Hauptleute mit kaiserlichen Patenten ausgestattet werden. Diese "Vorschläge gelangten jedoch nicht zur Durchführung, so dass, als zu Beginn des österreichischen Erbfolgekrieges, 1742, Vorbereitungen für die Verteidigung der Küsten-Gebiete getroffen werden sollten, erneuerte Klagen über die unzulängliche Einrichtung der Cerniden vorgebracht wurden. Als einen Haupt-Uebelstand bezeichnete es z. B. der Commandant der Görzer Cernide, Obrist Anton Graf Strassoldo, dass die eingereihte Mannschaft nicht aus ansässigen Bauern bestand, sondern nur aus Colonen M, welche oft ihren "Wohnsitz wechselten; die Compagnien waren in der Zahl viel zu stark 2), die "Waffen führten ungleiches Caliber u. s. w. Br einem etwas besseren Zustand war jene von Gradisca (Hauptmann von Wassermann), wo nebst den vorgeschriebenen 1000 Mann zu Fuss auch 100 Mann zu Pferd mit Waffen versehen waren, doch war auch hier die Zahl der Officiere und Unterofficiere mit Rücksicht auf den hohen Stand eine zu geringe. In Fiume, wo als Stadt-Hauptmann Carl von Hohenwarth fungierte, konnten nur circa 400 Mann aufgebracht werden und musste wie im spani­schen Erbfolgekrieg bei einer eventuellen Vertlieidigung auf die Mitwirkung der Unterthanen der benachbarten Herrschaften Buttenegg, Jablanetz, Castel- nuovo, Castua u. s. w. gerechnet werden. Da aber bald die Gefahr eines Angriffes der Küste schwand, so wurde, ebensowenig wie 1738, eine Reorganisierung vorgenommen oder den Uebel- ständen abgeholfen und geriethen hiedurch diese Institutionen noch mehr in Verfall. In den Jahren 1796—1797 beschränkten sich die Anstalten für die Landes- Vertheidigung in diesem Theile der innerösterreichischen Provinzen auf die Bereitstellung des istrianischen (exvenezianischen) Landsturmes der Cerniden (auch compagnie delle ordonnanze genannt) in der Stärke von 2890 Köpfen, und die Vertheidigungs-Instandsetzung von Fiume, wozu aus den Gebieten von Fiume und Buccari an 2000 Mann mit Gewehren ausgerüstet wurden. In gleicherweise sollten, abgesehen von der auch für die übrigen Pro­vinzen geplanten Errichtung von Freiwilligen-Bataiilonen, auch im Sinne des Patentes vom 2. December 1800 die Vertheidigungs-Anstalten geregelt werden, doch gelangten dieselben, wie mehrfach erwähnt, ebensowenig wie ein 1805 speciell für Görz angeordnetes Aufgebot, zur Durchführung. c) Das Gebiet der freien Stadt Triest. In der freien Stadt Triest mit ihrem Gebiete bestand schon seit dem 14. Jahrhundert zum Zwecke der Landes-Vertheidigung eine Miliz, welche ursprünglich „Bauem-Miliz” oder „Cernide”, später „Territorial-Miliz” genannt wurde s). Zu dieser Miliz hatten die Besitzer grösserer Herrschaften oder grösserer Grund-Complexe je 4 bis 20 Mann zu stellen und zerfiel dieses Auf­gebot in die Stadt- oder Bürger-Miliz, dann in die eigentliche Territorial- (Bauern-)Miliz. Jede derselben stand abwechselnd durch 14 Tage im Dienste; hievon waren 5 Tage für den "Wachdienst, die übrigen zu "Waffenübungen bestimmt. 1) Im Friaul’schen gab es, sowie überhaupt in Nord-Italien, keinen ansässigen Bauernstand, sondern der Bauer bewirtschaftete das Grundstück nur als Pächter des adeligen Gutsbesitzers. 2) Wie erwähnt 2000 Mann, nur in 8 Compagnien formiert. 3) Der Zeitpunkt wann und durch wen diese Institution in das Leben gerufen wurde, lässt sich nicht actenmässig nachweisen. Geschichte der k. und k. Wehrmacht. Y. Bd. 3

Next

/
Oldalképek
Tartalom