Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 5. (1903)
Die Landes-Vertheidigung - Die Landwehr im Jahre 1809 - A. Organisation
Ü3 Steyermark 13 (13.800), Kämthen 5 (5900), Krain, Küstenland und Triest *) 15 (15.300), Böhmen 55 (50.400), endlich Mähren und Schlesien 24 Bataillone (25.100 Mann). In Galizien, welches Land durch die von 1807 auf 1808 erfolgte Verlegung einiger Infanterie-Begimenter mit ihrer Ergänzung dahin, ohnehin schwer mit dem Contingente für diese aufkommen konnte, wurde von der Errichtung der Landwehr vorläufig ganz abgesehen und nur bei jedem Begi- mente später ein Beserve-Bataillon aufgestellt. Anlässlich der Einberufung zur activen Dienstleistung — Mobilmachung im April 1809 — wurden die Landwehr-Bataillone in eigene Landwehr-Brigaden zu vier bis acht (mitunter auch mehr) Bataillone zusammengezogen. Ebenso wurde später für mehrere Bataillone zusammen eine gemeinschaftliche Bechnungs- kanzlei activiert, desgleichen bei einzelnen Bataillonen Depots aufgestellt* 2). Da aber die Eröffnung der Kriegs-Operationen stattfand, noch ehe die Organisierung der Landwehr in allen Provinzen vollkommen beendet war, so wurden einige durch Werbung von Freiwilligen zu formierende Bataillone noch durch freiwillig aus dem Stande der Landwehr-Bataillone dahin übergetretene Mannschaft3) completiert und betheiligten sich unter dem Namen „Frei- (Freiwilligen-)Bataillone”, als Theile der activen Armee an den Kriegs- Ereignissen in Bayern, Tyrol u. s. w. Es waren dies die 6 Wiener Freiwilligen-Bataillone, die 6 Bataillone der böhmischen Legion, die 3 mährischen und 4 innerösterreichischen Frei- Bataillone 4). Diese Bataillone erhielten die vollen Kriegs-Gebühren, während jene Landwehr-Bataillone, welche nur zur Dienstleistung im eigenen Lande verwendet werden sollten, die Friedens-Gebühren zu beziehen hatten. Infolge des raschen Vordringens der Franzosen in die westlichen Provinzen der Monarchie (die Alpenländer) löste sich später ein grosser Theil jener Bataillone, deren Gebiet vom Feinde, wenn auch nur vorübergehend, besetzt war oder durchzogen wurde, und zwar manche ganz, einzelne nur theilweise von selbst auf, indem die Mannschaft, allerdings in unerlaubter Weise, zum Schutze des eigenen Grund und Bodens nach Hause zurückkehrte 5). Von diesen wurden einzelne, wie der grösste Theil der Krainer Bataillone, in den Monaten Juni bis Juli wieder gesammelt und neu formiert; die Beste anderer, die auch vor dem Feinde grosse Verluste erlitten hatten, wurden in „Combinierte (componierte) Bataillone” zusammengezogen, welche vielfach nach dem Namen der Commandanten benannt wurden. Bei den böhmischen Bataillonen, die auch viel verloren hatten, fand eine Beorganisation in der Weise statt, dass die meisten derselben von sechs auf vier Compagnien herabgesetzt wurden 6). Mitte Januar 1810 wurden alle noch bestandenen Bataillone aufgelöst7), die Mannschaft beurlaubt und verblieb nur ein kleiner Cadre in den Formierungs-Stationen noch durch einige Monate (zumeist bis October) präsent bestehen. *) Die Bataillone von Steyermark, Kämthen, Krain mit Küstenland und Triest bildeten zusammen die innerösterreichische Landwehr (83 Bataillone), welcher auch die Salzburger Bataillone, jedoch nur in rein militärischer Richtung unterstellt waren. 2) Mitunter gelangte auch nur für alle aus einem Kreise sich ergänzenden Bataillone ein solches zur Aufstellung. 3) Jene Mannschaft der Landwehr-Bataillone, welche in einem solchen Frei- Bataillone den Krieg mitgemacht hatte, war von jeder weiteren Dienstpflicht in der Landwehr enthoben. (K. A., H. K. B. 1809. J. 2, 38/89.) 4) Die beiden Triester Landwehr-Bataillone werden zwar auch mitunter als ,,Frei- Bataillone” bezeichnet, und waren de facto auch durch Uebertritt von Freiwilligen aus der Triester Stadt- und Territorial-Miliz gebildet, wurden jedoch officiell immer bei den Landwehr-Bataillonen ausgewiesen. 5) In den Standes-Tabellen undActen wird diese Mannschaft jedoch als „desertiert” ausgewiesen. B) Ein im September vom böhmischen General-Commando gemachter.Vorschlag, alle Bataillone kreisweise in Regimenter zu formieren, gelangte nicht zur Durchführung. 7i Ausser jenen Bataillonen, die sich im April bis Mai 1809 selbst aufgelöst hatten und nicht wieder formiert worden waren, wurden einige Bataillone auch schon im Herbste (September bis October) 1809 aufgelöst. (Siehe im übrigen die Geschichte der einzelnen Bataillone.)