Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 1. (Dritte Folge, 1902)
Hauptmann von Hoen: Der Strassenkampf in Paris am 28. und 29. Juli 1830
.78 H o e n. Thor St. Denis. Der Rückweg war durch rasch errichtete Barricaden abgeschnitten, der Marsch über die Boulevards unmöglich; das Bataillon musste einen weiten Umweg machen und kam bis in die Strasse de Clichy, von wo es den Anschluss an das zweite Garde-Infanterie-Regiment bei der Madeleine-Kirche fand. Quinsonnas war inzwischen rings von Barricaden am Markt des Innocens eingeschlossen worden. Sein Adjutant, verkleidet und mit abgeschnittenem Bart, schlich sich zum Marschall, um ihm die trostlose Lage der Colonne zu melden, auf welche man aus den Fenstern unaufhörlich Möbelstücke und Steine schleuderte, während ihre Versuche, durchzubrechen, an den Barricaden abgewiesen wurden. Marmont konnte die beiden Garde-Bataillone bei den Tuilerien und im Louvre mit Rücksicht auf die drohenden Volksmassen und die heftigen Angriffe, insbesondere vom linken Seine-Ufer über die Brücke des Arts und am rechten aus den Strassen de Coq und de Richelieu, nicht entbehren. Endlich entschloss er sich, das am Quai de l’Ecole bei der neuen Brücke, (Pont Neuf) zur Verbindung mit Talon auf- gestellte Bataillon Schweizer unter dem Oberstlieutenant Maillardoz zum Entsätze zu beordern, nachdem einige Züge des 15. leichten Infanterie-Regiments, welche durch die Strasse des Prouvaires zu diesem Zwecke vorgedrungen waren, nach Wegnahme zweier Barricaden durch das fürchterliche Feuer beim Platze St. Eustache zum Rückzuge gezwungen waren. Die Schweizer rückten durch die Strasse de la Monnaire vor und dürften auf die vom Platze des Victoires anrückenden National-Garde-Bataillone gestossen sein, die sie zurückdrängten, so dass sie im Verlaufe des Kampfes bis zur Strasse de Cléry kamen1). Statt nun durch die breite Strasse Mont- *) *) Es ist eigentümlich, dass dieses Bataillon so weit über sein Marschziel hinausrückte. Nach Gervinus soll es sich verirrt haben. Nach Blanc, I. Bd., 169, ist kein Zweifel, dass es in der Strasse von Montorgueil kämpfte, Schnitzler erzählt von einem Vorstoss der Garden und Schweizer in der Strasse de Cléry, der unter dem persönlichen Commando Marmonts stattgefunden haben soll. Letzterer würde dies m §einen Memoiren gewiss nicht verschwiegen haben.