Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 1. (Dritte Folge, 1902)

Hauptmann Peters: Die österreichischen Befestigungen an der oberen Elbe

346 Peters. es nur eines energischen Entschlussesx) der österreichischen Heeresleitung bedurft hätte, um die schwebende politische Frage rasch zu lösen und mit einem entscheidenden Schlage den Keim des Hegemoniestreites in Deutschland endgiltig zu zerstören. Hiezu aber hätte es wohl grösseren Selbstvertrauens des jungen österreichischen Herrschers2) bedurft, welcher, zum ersteumale im Felde und dem bedeutendsten Schlachtenlenker seiner Zeit gegenüberstehend, von seiner Mutter flehentlich gebeten, jede Entscheidung zu vermeiden, durch die Mission Thuguts an operativen Entschlüssen gerade zu einer Zeit gehindert war, wo eine kräftige Offensive die grösste Aus­sicht auf entscheidenden Erfolg gehabt hätte. Aus diesen Gründen erklärt sich eben die Nichtannahme des Offensiv-Vorschlages Loudons, der die Vortheile der Situation der österreichischen Heeresmacht für eine Operation „auf der inneren Linie” ganz richtig erkannt hatte und schon am 8. Juli so dringend dazu rieth, dass Kaiser Joseph nur mit schwerem Herzen davon absah. Dieser Krieg ohne Schlacht ist also nicht nur des mili­tärischen und politischen Interesses in hohem Grade wert, sondern bietet auch ein eigenartiges Gemälde in rein mensch­licher Beziehung. Ein unversöhnlicher Feind steht neuerdings, nach kaum fünfzehnjährigem Frieden, gerüstet an den nördlichen Grenzen der Monarchie. *) *) Siehe hierüber FM. Londons Vorschlag zur gemeinsamen Offensive beider Armee-Gruppen vom 7. Juli beiNosinich: „Der bayerische Erbfolgetrieg”. (Mittheilungen des Kriegs-Archivs, VIII. Jahr­gang, 1683.) 2) Aus dem bei Beginn des Krieges, anfangs April, geführten Briefwechsel Joseph II. mit Friedrich II. zwischen Olmütz-Littau und Schönwalde zu finden bei Arneth, „Maria Theresias letzte Begierungs- zeit”, IV. Bd., 389—400, dann hei Schöning, „Militärische Correspon- denz des Königs Friedrich II.”, IV. Bd., 80, ist wohl zu ersehen, wie sehr Joseph II. den militärischen Ruhm Friedrichs bewunderte und hochschätzte, ja sich selbst ihm gegenüber in militärischen Dingen einen Schüler nannte.

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