Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 1. (Dritte Folge, 1902)
Hauptmann Peters: Die österreichischen Befestigungen an der oberen Elbe
Die österreichischen Befestigungen an der oberen Elbe. 343 Dacia dem Rückzuge der Preussen auf das nördliche Ufer — auf speciellen und (nach Schmettau) sehr unwirschen Befehl des Königs fortgesetzt wurde und die umliegenden Dörfer vollkommen verwüstete. Die Meinung über den eigentlichen Zweck, welchen die Preussen mit diesem überfallsartig begonnenen Gefechte verfolgten, sind bei den zeitgenössischen Besclireibern des Feldzuges sehr getheilt. Der anonyme Verfasser des „Schauplatz des bayerischen Erbfolgekrieges etc.”, Leipzig 1878, schreibt, „dass diese Vorrückung vermuthlich deshalb mit so starken Kräften befohlen wurde, um den Feind lüstern zu machen, sich aus seinen Verschanzungen zu wagen und etwas auf die Bedeckung zu unternehmen”. „Da der Graf von Lacy1) diesen Vorgang gelassen mit ansahe, ohne sich im geringsten zu bewegen, so zogen sich die Preussen wieder auf ihren linken Flügel zurück.” Andere Berichte sprachen von „einem neuen Versuche der Preussen, die Schanzen zwischen Pless und Jasena wegzunehmen”, und hielten dafür, dass die gleichzeitig durchgeführte Fouragierung den eigentlichen Zweck verbergen solle. Bourscheid* 2) schreibt: „Die Vorrückung der Preussen über die Mettau sollte die Oesterreicher reizen, einen starken Theil ihrer Macht in jene Gegenden zu versetzen.” Die Ansicht eines preussischen Geschichtsschreibers3), dass, der König die Postierung an der Mettau selbst recogno- scieren wollte, um endlich klar darüber zu werden, ob etwa stärkere Kräfte der Oesterreicher sich hinter diesem Flusse versammeln, dürfte der Wahrheit am nächsten kommen. Denn Friedrich II. hatte schon am 10. Juli den Oberst Zeilenberg, am 11. den General Wunsch mit Detachements zur Becognoscierung der Postierung an der Mettau abgesendet, *) Das österreichische Armee-Commando ist damit gemeint. 2) „Der erste Feldzug im vierten preussischen Kriege im Jahre 1778. Zweites Stück. Wien 1779.” 8) „Versuch einer militärischen Geschichte des bayerischen Erbfolgekriegs im Jahre 1778; im Gesichtspunkte der Wahrheit betrachtet, von einem königlich preussischen Officier” (Carl von Seidl, preussischer Premier). Königsberg 1781.