Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 1. (Dritte Folge, 1902)
Hauptmann Peters: Die österreichischen Befestigungen an der oberen Elbe
Die österreichischen Befestigungen an der oberen Elbe. 341 Auch die reitende Batterie1) war mittlerweile vorgefahren und hatte hinter der Cavallerie Aufstellung genommen. Deren Wirkung war es hauptsächlich, welche den vorstürmenden Reiterscharen Wurmsers endlich Halt gebot. *) Schmettau und Schöning widmeten diesem ersten Auftreten einer reitenden Batterie im preussischen Heere besonders rühmende Worte. Ersterer schreibt: „Der König hatte eine sogenannte reitende oder fliegende Batterie mit sich genommen, gewiss eine der besten neuen Erfindungen in der Mordungskunst: Kanonen von berittenen Artilleristen geführt und bedient, welche sich so geschwind und so leicht als eine Eseadron Cavallerie bewegen, selbiger überall folgen ut d sie unterstützen können, legten hier ein Probestück der vortrefflichen Wirkung ab, deren sie fähig sind, wenn sie so gut als bey der preussischen Armee bedient werden. Diese Batterie bestand aus sechs Kanonen und einer Haubitze. Sie wurde hinter einer Eseadron Cavallerie verdeckt und also aufgefahren, dass ihre Bichtung die ganze Stellung der österreichischen Cavallerie mit Kartätschen beschoss. Durch ein Deployment auf beyden Seiten öffnete sich diese Eseadron schnell wie der Blitz und alsbald bekamen die aufeinander gedrängten feindlichen Escadronen, welche das ganze Feld bedeckten, fünf bis sechs mörderische Lagen Kartätschen, deren Wirkung sie in Unordnung zum Weichen nach unserem linken Flügel ausser dem Kanonenschuss verdrängte. Der Erfolg dieses unerwarteten Feuers war so gross, dass unsere Cavallerie den beträchtlichsten Vortheil aus der feindlichen Bestürzung und Unordnung hätte ziehen können, wenn es die übrigen Umstände zugelassen hätten. Aber ihre geringe Anzahl und die zu gewagte Stellung der Infanterie erlaubten ihr nicht, sich auf das mindeste einzulassen. Der König war sehr glücklich und auch sehr zufrieden, sich aus dieser Übeln Lage ziehen zu können, und man muss es in der That gestehen, dass der Augenblick sehr kritisch war, als das Feuer der reitenden Batterie unsere Cavallerie rettete. Ohne dieses Feuer warf unfehlbar der überlegene und von allen Seiten drohende Feind unsere Cavallerie auf die Infanterie. Diese wäre entweder zugleich mit über den Haufen geworfen oder doch von allen Seiten umringet worden, und da sie vom Lager durch zwey Flüsse und Defiléen abgeschnitten und anderthalb Meilen weit davon entfernet war, folglich auf keine Unterstützung rechnen durfte, so ists wahrscheinlich, dass dies ganze Corps ohne die glückliche Wirkung dieser Batterie verloren war. Der König, der Prinz von Preussen, der Erbprinz' von Braunschweig, mehrere Prinzen und vielleicht zwölf bis fünfzehn Generale, welche aus Neugierde mit diesem Corps gegangen waren, fielen wahrscheinlich in die Hände der Feinde, und so hätte dieser Tag sehr unglücklich werden können.” Schöning erwähnt: „Dies war einer der ersten Erfolge, welchen der König selbst von der reitenden Artillerie im Felde sah — heutigen