Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 1. (Dritte Folge, 1902)
Hauptmann Sommeregger: Ereignisse in den Legationen und Marken in Italien in den Jahren 1848 und 1849
Ereignisse in den Legationen und Marken in Italien. 191 sondern vielmehr den Kampf sobald als möglich wieder aufzunehmen beschlossen. Um aber Zeit zur Reorganisierung, Ergänzung und moralischen Aufrichtung seiner Armee zu gewinnen, suchte er unter dem Vorwände, Frieden schliessen zu wollen, einen Waffenstillstand zu erlangen, den ihm der österreichische Heerführer FM. Graf Radetzky auch zugestand, weil auch dessen Heer der Ruhe und Sammlung bedürftig war. Nach Beendigung des Feldzuges 1848 blieben von der aus sechs Corps bestehenden österreichischen Armee in Italien das 1., 2. Armee- und 1. Reserve-Corps zwischen Mailand und Crema concentriert, mit den Vorposten am Ticino, mit Abtheilungen einer detachierten Division bei Varese, Como, am Lago Maggiore und längs der Schweizer Grenze. Das 3. Corps hielt die nördlichen Gebirgsgegenden der Lombai’die, wie auch Peschiera und theilweise Verona besetzt, das 4. Corps occupierte die Herzogthümer Modena, Parma und Piacenza und stand mit einigen Bataillonen auch diesseits des Po um Cremona; das 2. Reserve-Corps endlich bestritt die Garnisonen im Vene- tianischen, hatte aber seine Haupt-Truppe zwischen Treviso und Padua in einem Venedig umgebenden Halbkreis versammelt und einige Detachements längs des Po vorgeschoben. Ihm war die Aufgabe zutheil, Venedig zu cemieren und zu beobachten. Der Sitz des Armee-Commandos war Mailand, von wo aus der Feldmarschall die politische Administration des dem Kriegsgesetze unterworfenen Landes ordnete. Von der piemontesischen Armee war ein Th eil am Ticino in Cantonierung verblieben, der andere aber in Garnisonen verlegt worden. Mittlerweile wurden die Friedens-Unterhandlungen eingeleitet, doch schon als die Waffenstillstands-Bedingungen, welche Venedig betrafen, zur Ausführung kommen sollten, zeigte sich, wie wenig ernst es Piemont mit der Anbahnung friedlicher Verhältnisse meinte. Carl Albert fuhr vielmehr fort, das revolutionäre Venedig zu unterstützen, wo am 10. August die Republik S. Marco ausgerufen wurde. Dessenungeachtet wollte die österreichische Regierung, um die Friedens-Unterhandlungen nicht zu stören und Piemont