Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 3/1. (1901)
Die Cavallerie - Die innere Organisation der kaiserlichen Reiter-Regimenter im Allgemeinen
- 46 — waren die Carabiniers mit guten, jedoch leichteren Pferden zu betheilen, mit weniger Bagage zu beladen, um „bei ereignender occasion freier und ungehinderter fechten und ihre Schuldigkeit thun zu können”. Dieselben wurden vornehmlich im „Geschwindschiessen” ausgebildet, daher auch mit gezogenen Carabinern betheilt; im Uebrigen waren sie wie die Cürassiere adjustiert. Diverse Bestimmungen regelten noch die Verwendung der Carabinier- Compagnien am Marsche, im Lager und bei Abcommandierungen in feindlichen Gelegenheiten, wobei dieselben besondere Vorrechte genossen1). Der Stand eines Cürassier-Regiments, welcher bisher circa 1000 Mann betragen hatte, wurde zu Beginn des Krieges gegen die Türken 1716 auf 1091 Mann (12 ordinäre Compagnien i't 83—84-, die Carabinier-Compagnie ä 93 Mann) gebracht und galt diese Ziffer auch in den späteren Jahren als der normierte Kriegs-Stand2). Der Friedens-Stand wurde anfänglich (ca. 1726) mit 957 Mann und 705 Pferden, später jedoch mit 800 Mann und Pferden normiert3). In den Jahren 1726/27 wurden bei den meisten Regimentern 4 Auctions- Compagnien aufgestellt, welche jedoch 1731 wieder aufgelöst wurden4). In Bezug auf Adjustierung und Bewaffnung ergaben sich für die Cürassiere keine wesentlichen Veränderungen und gelangten nur in Folge eines Antrages des Prinzen Eugen von Savoyen von 1710 an successive die doppelten Leder-Cürasse (Koller oder Goller) zur Verwendung. 1740-1765. In der Zahl der Cürassier-Begimenter ergab sich in dieser Periode keine Veränderung. Der Stand eines Cürassier-Regimentes, wrelches zu Beginn des österreichischen Erbfolgekrieges mit 800 Mann normiert war5), wurde 1743 auf den früher festgesetzten von 1094 Mann gebracht, doch erreichten die meisten Regimenter nur einen solchen von 1000 Mann. Nach dem Aachener Frieden war derselbe wieder mit circa 800 Mann und Pferden normiert. Während des siebenjährigen Krieges trat die Formierung der Regimenter in 7 Escadronen ein, wobei die Carabinier-Escadron als 7. volle Escadron gerechnet und ein9 als Reserve-Escadron bestimmt wurde; ferner wurde die Charge der Capitain-Lieutenants als Commandanten der Stabs-Compagnien creiert, jene der Cornets in Unterlieutenants umgewandelt6). Der Stand einer ordinären Compagnie war mit 75 (76) Köpfen, jener des Regiments-Stabes mit 26 Mann normiert1) und zählte sohin ein Regiment inclusive Carabinier-Compagnie (100 Mann) 1009 Mann. Nach dem Hubertsburger Frieden wurde der Stand eines Regiments wieder auf 830 Mann herabgesetzt. In Bezug auf Adjustierung erschien in dieser Periode der Hut ausschliesslich als Kopfbedeckung getragen; derselbe wurde 1757 zum Schutze gegen Kopfhiebe innen mit einem eisernen Kreuze versehen. ‘) Auf dem Marsche bildeten sie stets die Vorhut (marschierten vor den Pauken), sie hatten weder Regiments-, noch Feldwachen, sondern nur ihre Compagnie-Wachen im Felde zu verrichten. Wenn mehrere Carabinier- (Grenadier-) Compagnien zu einer Unternehmung vom Regimente abgetrennt wurden, sollten mehrere derselben eine „separierte Truppe” ausmachen und soviel als möglich von ihren eigenen Ofiicieren commandiert werden; im Lager campierten sie stets am rechten oder linken Flügel ihres Regiments u. s. w. (K. A., H. K. R., 1715, October, 277/1.)-) In Ginem Verpflegs-Reglement von 1720 (K. A., Mémoiren M. 152) erscheint derselbe zwar mit 1081 Mann ausgewiesen, doch muss hier ein Irrtlium oder Druckfehler vorliegen, da diese Summe auch nicht mit der Summe der für die einzelnen Compagnien ausgewiesenen übereinstimmt und in allen späteren Ausweisen der Stand als mit 1091 Mann normiert erscheint. 3) Vor Ausbruch des österreichischen Erbfolgekrieges hatten 2 in Italien stehonde Regimenter einen solchen von 1000, alle übrigen von 800 Mann. 9 Siehe auch Seite 17. 5) Die in der Lombardié und den Niederlanden stehenden Regimenter hatten einen solchen von 1000 Mann. 6) Siehe auch Seite 18. ~) Die 6 ersten Compagnien hatten 76, die anderen 75 Mann; beim Stabe trat im Kriegsfälle eine Vermehrung der Feldscherer von 6 auf 18 ein.