Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 3/1. (1901)

Die Cavallerie - Die innere Organisation der kaiserlichen Reiter-Regimenter im Allgemeinen

Ausserdem hatte jeder Mann mit einem Futtersack, einem Futter- Tornister, einer FouragLerdecke, dem Fouragier-Strick und Pferdepflock ver­sehen zu sein u. s. w. Die Estandarten hatten nunmehr die rechteckige Form und waren von weisser (Leib-), beziehungsweise gelber Farbe1). Die Estandarte-Biemen waren aus Tuch in der Farbe der Egalisierung des Regiments, mit Gold- oder Silberborten geziert und auf einen Riemen von Sämischleder aufgelegt. (Dazu ein Futteral von schwarzer fingierter Leinwand.) Was die Bewaffnung betrifft, so wurden, abgesehen von einer Aenderung im Caliber der Feuerwaffen, in erster Linie die Dragoner statt der Bajonett- Flinten mit Carabinern betheilt* 2), letztere (1771) den Unter-Officieren aller Reiter-Gattungen ganz abgenommen, ferner für die leichte Cavallerie eine kürzere Gattung Carabiner normiert, als der für Cürassiere und Dragoner vorgeschriebene. Alle Carabiner waren in Eisen montiert3). Die Pistolen hatten einen eisernen Ladstock, welcher mittelst eines Riemens an dem Patrontaschenkasten befestigt wurde. Zum Tragen des Carabiners waren (theilweise schon seit dem Aachener Frieden) Carabiner- oder Bandoulier-Riemen von weissem Leder vor­geschrieben, an welchen ersterer mittelst des sogenannten Carabiner-Hakens gehängt wurde4). Zum Schutze des Carabiners wurden Futterale aus Schafleder vor­geschrieben, in welche ersterer vom Kolben bis über das Schloss eingeführt wurde. Die während des Krieges gegen den Türken 1788—90 den Regimentern zugetheilten Schützen waren mit gezogenen „Carabiner-Stutzen” betheilt. Was die Seitenwaffen betrifft, so war für die deutsche Cavallerie nur eine Gattung Pallasch vorgeschrieben; die beiläufig 84—89 cm. lunge Klinge war nicht mehr doppelt, sondern nur einseitig geschliffen5). Das Gefäss war bei Prima-planisten und Unterofficieren aus Messing6 7) (die Griffkappe mit einem Löwenkopf geziert), bei den Gemeinen von Eisen; die Scheiden wie bisher von Buchenholz mit Leder überzogen, für die Mann­schaft wurden 1771 eiserne Scheiden, beziehungsweise Ueberzüge von Eisen vorgeschrieben. Die Säbel der Husaren waren gekrümmt, in der Länge gleich dem Pallasch; Gefäss-Montierung wie beim Pallasch. Die Scheide heim Gemeinen von Eisen, die Unterofficiere behielten gleichfalls die hölzerne, lederüberzogene Scheide. Auf den Klingen aller Seitenwaffen war der kaiserliche Adler eingraviert ’). 1798 — 1802. Durchgreifende Reformen wurden 1798 nach Beendigung des ersten Coalitionskrieges vorgenommen. *) Leib-Estandarte Muttergottes-Bild auf einer, kaiserlicher Adler auf der anderen, die übrigen letzteren auf beiden Seiten. 2) Bezüglich der Betheilung derselben mit Hinterlad-Carabinern, sowie jener der Cürassiere (12 Mann per Escadron) mit Musketons (Trombons) siehe die betreffenden Beiter-Grattungen. 3) Die mit dem Rescripte vom 12. Mai 1765 (K. A., Mémoiren 1765, VIII, 67) erlassene Verfügung, dass es den Regimentern freistehe, je nachdem sie gelbe oder weisse Knöpfe hatten, ihre Bandouliers, Patrontaschen und Kuppelbeschläge, sammt Adler und den kaiserlichen Namens-Buchstaben, wie auch auf dem Seitengewehre weiss oder gelb zu behalten, wurde durch die späteren Detail-Bestimmungen über die Form und Fa9on der einzelnen Stücke aufgehoben. J) Doch wurde diese Tragart zumeist nur bei Paraden, zu Manövern, oder in feier­lichen Gelegenheiten angewendet; in allen übrigen Fällen wurde der Carabiner (mit der Mündung nach abwärts) im ,,Schuh” getragen. 5) Es mussten sogenannte ,,Eisenhauer” sein und eine bekannte Probe, mit der Fläche auf ein starkes Pfostenbrett und mit der Schneide auf einen halbzolldicken eisernen Nagel geschlagen und gehauen, nicht minder den Bug. ohne Verletzung aushalten. ö) Beim Wachtmeister vergoldet. 7) Früher wurde irgend ein Embleme oder der Namenszug des Inhabers auf den­selben angebracht.

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