Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs - Supplement. Geschichte K. und K. Wehrmacht 3/1. (1901)
Die Cavallerie - Die innere Organisation der kaiserlichen Reiter-Regimenter im Allgemeinen
12 — Dei- weitere Stand, zählte: 2 biss 3 Corporate, 1 Sattler, 1 Schmied, 1 Plättner (Cürass-Schmied, nur bei Cürassieren und Arquebusieren), endlich 80 bis 90 gemeine Reiter (Einspännige)1). Der Obrist, sowie die Stabs-Officiere waren auch Inhaber je einer Compagnie, welche sie aber selbst commandierten, daher keine Stellvertreter (Capitain-Lieutenants) systemisiert waren. Jede Compagnie führte eine kleine Fahne, bei der Reiterei „Estandarte” genannt, welche durch den Cornet (Fähnrich) getragen wurde. Die tactische Einheit bildete die „Escadron”, grössere, aus mehreren Compagnien bestehende Haufen, welche mit Tiefen von 5 bis 10 Gliedern aufgestellt waren. Ausser den ganzen Regimentern kamen mitunter auch in grösserer Anzahl selbstständige, sogenannte „einschichtige Compagnien” vor, welche entweder als solche aufgestellt, oder bei Auflösung eines oder des anderen Regiments auf dem Fusse belassen wurden* 2 3). Diese Compagnien wurden jedoch zumeist nicht im Felde, sondern nur zum Schutze eines oder des anderen der Erblande verwendet, oder versahen vielfach auch Besatzungsdienste. In vielen Fällen wurden dieselben später zur Formierung neuer Regimenter verwendet. Was die Zahl der Reiter-Regimenter im Laufe des mehrfach erwähnten Krieges betrifft, so befanden sich zu Beginn desselben, obwohl principiell noch keine stehenden Truppen vorhanden waren, doch schon zwei Reiter- Regimenter, welche den Krieg gegen die Venezianer im Friaul’schen, 1616 bis 1617, mitgemacht hatten, noch im kaiserlichen Dienste. Es waren dies das Cürassier-Regiment Maradas und das Arquebusier- Eegiment Dampierre8). An diese beiden Regimenter schlossen sich von 1618 an successive eine grössere Anzahl von theils Cürassier- (oder Arquebusier-), theils später von Dragoner-Regimentern an4) und war deren Zahl selbst eine vielfach wechselnde, welche im Jahre 1636 mit circa 100 Regimentern (Croaten und Polaken eingerechnet) die höchste Ziffer erreichte5). Von 1612 an wurden keine, oder nur in vereinzelten Fällen mehr Arque- busier-Regimenter aufgestellt und verschwand dieser Name allmählich grnz aus den Listen des kaiserlichen Heeres, ohne dass ein diesbezüglicher Befehl vorläge. Die bisher noch bestandenen Arquebusier-Regimenter wurden theils aufgelöst, theils successive in Cürassiere umgewandelt6). Ausser den Cürassieren und Dragonern zählte das kaiserliche Heer noch für den Dienst als leichte Truppen eine Anzahl von Croaten-Regimentern (croatische Arquebusiere), dann Husaren und, wie erwähnt, auch Polaken in seinen Reihen7). Nach dem westphälischen Frieden verfügte Kaiser Ferdinand III., dass von den damals bestandenen Regimentern nur neun Regimenter zu Pferd8) x) Diese Benennung kommt auch später in den Acten, noch durch längere Zeit, selbst in einer kaiserlichen Resolution vom Jahre 1715 vor.-) Nebstbei hatten auch die jeweiligen General-Adjutanten, mitunter auch die General-Kriegs-Commissäre, sowie die Proviantmeister in den Erblanden (Herberstein in Mähren u. A.) solche Reiter-Compagnien. 3) Ersteves wurde 1611 aufgelöst, letzteres 1622 in einzelne Compagnien reduciert, von welchen 1621 drei in das reorganisierte Regiment Strozzi kamen. 4) Darunter von gegenwärtig noch bestehenden Regimentern die Dragoner-Regimenter Graf Montecuccoli Nr. 8 (1619) und Fürst Liechtenstein Nr. 10 (1631 aufgestellt). 5) Siehe im Uebrigen, sowie die fallweisen späteren Veränderungen, auch die nebenstehende Tabelle Beilage I. 6) Die in manchen Werken enthaltene Behauptung, dass aus den Arquebusieren die Dragoner hervorgegangen seien, ist absolut unrichtig. 7) Siehe den Abschnitt: „Irreguläre Reiterei”. 8) Die Cürassier-Regimenter erscheinen mitunter kurzweg als Reiter-Regimenter benannt, wogegen die Dragoner vielfach auch bei dem Fussvolk ausgewiesen erscheinen.