Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 12. (Neue Folge, 1900)

Hauptmann Veltzé: Die Hauptrelation des kaiserlichen Residenten in Constantinopel Simon Reniger von Reningen 1649-1666 - I. Hauptrelation des kaiserlichen Residenten Simon Reniger

Simon Reniger von Reilingen. 85 nicht um’s Leben gekommen; er hatte aber von Stunde an aus der Stadt und seinen Weg nach Bosnien nehmen müssen; seine Stelle ward gleich mit einem alten Vezier, Giurgo Mehe- med Pascha genannt, ersetzt, welcher absolut vom Serail und den Eunuchen dependiert; inzwischen waren auch von der Revolte Schreiben eingelangt, in welchen sich die Vornehmsten unterschrieben und um Pardon gebeten, so ihnen auch erfolgt und Jedem nach Qualität ein Governo ertheilt worden, worauf die Spahis wiederum nach Constantinopel gekommen und mit den Janitscharen auf’s Neue gute Freunde geworden. Im Monate März dieses 1652. Jahres war durch Sieben­bürgen ein schwedischer Reichs-Rath, Benedictus Skhit ge­nannt, an die Pforte gekommen, welcher sich für einen Wallfahrer nach Jerusalem ausgegeben. Nun hatte ich schon vorhin durch ein kaiserliches Schreiben Nachricht gehabt, als wäre von schwedischer Seite mit den Türken und Tataren eine heimliche Correspondenz vorhanden, daher nun dessen Ankunft und die fast täglichen Conventikel dem französischen Botschafter umso viel mehr verdächtig mit gewesen, sonderlich weil er ihn ein Mal mit sich zur Audienz geführt und so viel ich penetriert, die Schweden gewaltig hervorgestrichen, was das für eine kriegerische Nation, wie viele Victorien sie in Deutschland erhalten, wie viele Städte und Länder sie eingenommen; wann der Krieg noch drei Jahre gewährt, so wäre es mit der kaiserlichen Majestät aus gewesen. Als aber Frankreich und Schweden gesehen, dass die ottomanische Pforte sich dahin bewegen lassen und den Frieden prolongiert, hätten auch ihre beiden Kronen auf vielfältiges Anlangen zum Frieden sich bequemt; pro satisfactione habe man Frankreich und Schweden Städte und Länder belassen und Schweden noch etliche Millionen in Geld geben müssen; vor Jahren und zu des Bethlen Gäbor’s Zeiten wäre zwischen der Pforte und Schweden auch gute Correspondenz gewesen; der Gross-Vezier hatte sich das gefallen lassen und gesagt, dass er sich dessen zu erinnern wisse, trug, wer dieser Schwede in seinem Lande und warum er nicht in Qualität eines Ge­sandten komme?

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