Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 12. (Neue Folge, 1900)
Hauptmann Veltzé: Die Hauptrelation des kaiserlichen Residenten in Constantinopel Simon Reniger von Reningen 1649-1666 - I. Hauptrelation des kaiserlichen Residenten Simon Reniger
Simon Reuiger von Reningen. 83 Tage bei Constantinopol in einem Garten zubringen lassen, so ihm aber nicht erlaubt worden, daher er sich unversehens verloren und erst nach drei Tagen, auf vieles Suchen aus einem Winkel unter dem Dache hervorgezogen, später aber in einem alten Schafpelz mit abgedecktem Haupte, welches bei den Türken ein grosser Spott, auf einem Saumpferd in’s Serail geführt worden, allwo man ihm den Bart ausgerupft, Ohren und Nase abgeschnitten, Augen ausgestochen, nach vieler Marter erwürgt, den Körper blos in einem alten zerrissenen Hemde auf den öffentlichen Platz geworfen und einen ganzen Tag zum Spectakel allda liegen lassen; seinen Kindern hatte man Etwas gelassen, das Uebrige aber, sonderlich baares Geld, so eine grosse Summe ausgetragen, confis- ciert und in’s Serail genommen. Dem Janitscharen-Aga kam zu Silivri ein Befehl, er solle sich stracks zur Schiffs-Armada verfügen, denn der Sultan hätte ihn zum Kapudan-Pascha oder General zu Wasser erklärt ; massen er sich gleich dort zu Silivri einbarkieren müssen; er war kaum ein wenig vom Lande, kam ein anderes Schiff und brachte ihm Ordre, der Sultan hätte ihm noch etwas Nothwendiges. zu befehlen, er sollte eilends zurück ; es fieng ihm zwar an zu grausen, er war aber bereits im Schiff und in der Falle; auf vieles Vertrösten jedoch, liess er sich geduldig zurückführen; er ward zwar zum Sultan introdu- ciert und mit einem Kaftan verehrt, wenige Schritte hernach aber, im Herausgehen stranguliert worden. Der Dritte, nämlich der Kehaia-Bey, hatte zu Pontepiccolo einen Befehl empfangen, dass er sich ebenmässig geschwind zurück zum Sultan verfügen sollte, welcher sich ganz willig erzeigt, die Pferde alsbald fertig machen lassen und den Begleiter überredete, dass er voran geritten, nach ihm aber mit seinen besten Pferden und was er füglich führen können, einen anderen Weg, Vorhabens in sein Vaterland Albanien sich zu salvieren, allwo er in dem Gebirge sich noch eine Zeit lang halten hätte können; sobald man dies zu Con- stantinopel vernommen, ward ein Courier nach dem andern zum Bostandschi Pascha nach Adrianopel expediert, er sollte vorbiegen und ermeldeten Kehaia-Bey, lebendig oder wenigstens seinen Kopf schicken; welcher aber bei 400 Pferde seiner 6*