Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 12. (Neue Folge, 1900)

Hauptmann Veltzé: Die Hauptrelation des kaiserlichen Residenten in Constantinopel Simon Reniger von Reningen 1649-1666 - I. Hauptrelation des kaiserlichen Residenten Simon Reniger

78 V e 11 z e. die Spahis anfangs gesiegt, so sind sie doch von den Türken zurück gehalten worden; nun haben die Türken in dergleichen Fällen, wann Uneinigkeit und Revolutionen unter ihnen ent­stehen, kein besseres Mittel solche zu stillen, als die Stan­darte oder Fahne, welche ihr Prophet Mohammed selbst ge­führt ; diese ist eine alte dunkelgrüne Fahne, welche der Emir oder Scheich zu Mecca dem Sultan Selim, als er Aegypten eingenommen, für ein köstliches Heiligthum überschickt und durch seinen Sohn zugleich das Dominium über Mecca und Medina offeriert. Zu dieser Fahne tragen die Türken eine solche Devotion und Zuversicht, dass wo sie dieselbe mit sich haben, der Sieg allezeit auf ihrer Seite sein sollte. Daher sie solche auch diesmal mit nach Scutari ge­nommen und in Procession von lauter Emiren, die von des Mohammed’s Linie sind und dunkelgrüne Kleider tragen, begleiten lassen; durch welches nicht allein das Volk ins­gemein, sondern auch die Spahis zur Andacht bewogen worden, dass sie sich gleich zurück begeben; wenige Tage hernach war des Ke bi Kopf nach Constantinopel eingebracht, dem Anderen aber, Katerdschi Oglu, hatte man so viel von Pardon gesagt, dass er sich endlich eingestellt und im öffentlichen Divan zu Füssen geworfen, auch hierüber Gnade erhalten, worauf es mit der Revolte wiederum still geworden. Bald nach des kaiserlichen Internuntius Abreise, hatte der Gross-Yezier seinen Kapidschi Pascha, einen welcher sonst vorhin ein Jude gewesen und diese Mission selbst vor­geschlagen, in Qualität eines Residenten nach Spanien ge­schickt und Ihrer Katholischen Majestät, des Sultans Freund­schaft angetragen, worauf im Monate März 1650 ein christ­licher, namens Don Allegretti, zwar sine Charactere und blos mit vier oder fünf Personen, nach Constantinopel gekommen, welcher von Ihrer Katholischen Majestät in Spanien an den Sultan und Gross-Vezier Schreiben eingebracht, dass in Sub­stanz zur Aufrichtung einer guten Freundschaft, vor allen Dingen die Hindernisse, vor Allem aber der Krieg mit Venedig hintangelegt müsse werden. Der Allegretti hatte den Türken nichtsdestoweniger gute Vertröstung gegeben, wie er denn wohl tractiert und ehrlich entlassen worden.

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