Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 12. (Neue Folge, 1900)

Hauptmann Veltzé: Die Hauptrelation des kaiserlichen Residenten in Constantinopel Simon Reniger von Reningen 1649-1666 - Einleitung

68 V e 11 z 6. imputiert, die Janitscharen nur über den Fluss gesendet zu haben, um ihrer los zu werden, sind wohl nicht ernst zu nehmen und auch allgemein zurückgewiesen worden1). Unzweifelhaft aber ist, dass die Forcierung der Raab- linie und eine Niederlage der kaiserlichen und verbündeten Armeen, dem Gross-Vezier den Weg nach Wien geöffnet hätten, daher die Wirkungen dieser Schlacht negativ betrachtet, jedenfalls sehr einschneidend waren, abgesehen davon,, dass Nottebohm sich wohl etwas zu viel Kraft zutraute, als er es versuchte, ein so festgefügtes Lorbeerblatt in der Geschichte des kaiserlichen Heeres diesem durch hyperbolische Schlüsse einfach entreissen zu wollen. Auf kaiserlicher Seite wünschte man den baldigsten Ab­schluss des Friedens und man hatte wahrlich genug Gründe dazu; die Lage der spanischen Monarchie, welche den Kaiser aus persönlichen Gründen ebenso zum Frieden mit den Türken drängte, wie er seinerseits den Krieg Spaniens mit Portugal beendet sehen wollte2j, die Unzuverlässigkeit der Alliierten, hauptsächlich der Franzosen, das mehr als bedenkliche Bünd- niss des Churfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg mit Ludwig XIV. (6. März 1664), der sich wegen der allerdings viel­leicht unklugen Haltung der österreichischen Politik weigerte, gerade im kritischen Monate August, Verstärkungen nach Ungarn zu senden, endlich aber auch die trostlose finanzielle Lage der Erbländer, wären auch einzeln genommen, aus­schlaggebend für eine Politik des Entgegenkommens und der Aufrechterhaltung des status quo gewesen, ohne erst auf Rink3), bei aller Achtung vor dieser oft guten Quelle, zurückgreifen zu müssen, der das Bestreben einiger Minister, den Kaiser in seinem »Plaisir« nicht zu stören, für genug stichhältig findet, um über die Wohlfahrt des Staates zu entscheiden1). *) Zwiedinek-Südenhorst, »Die Schlacht bei St. Gotthard.« Mitth. des Inst, für öst. Geschichtsforschung, X, S. 443 ff. Pfibram, Freiherr von Lisola, Leipzig 1894, S. 255. 2) Siehe den Brief des Kaisers an den Grafen Pötting, seinen Gesandten in Madrid, vom 25. October 1664, abgedruckt bei Pribram »Lisola«. s) »Kaiser Leopold etc.« II, S. 477. 4) Die Gründe sind treffend hervorgehoben »Corn. Fragm. hist. Hung.«; Katona, S. 580.

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