Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 12. (Neue Folge, 1900)
Hauptmann Chirsten: Oesterreich im Kriege gegen die französische Revolution 1792 (Schluss) - Das Treffen bei Jemappes am 6. November 1792
Oesterreich, im Kriege gegen die französische Revolution. 263 Ruhe behauptet. Im österreichischen Hauptquartier hielt man den rechten Flügel durch die undurchwatbare Haine, durch die sie begleitenden nassen Wiesen, durch die Jemappes vorgelegten Verschanzungen und durch die sieben Frei-Corps- Compagnien völlig gesichert. Grosse Bestürzung rief daher die plötzlich eingetroffene Nachricht hervor, dass drei feindliche Bataillone den österreichischen Flügel umgangen, mittelst eines grossen Kahnes, Brettern, Leitern u. s. w. und unterstützt von Landeseinwohnern Uebergänge über die Haine und deren nasse Ufer hergestellt hätten und in Jemappes von Norden her eingedrungen wären; Jemappes wäre von den österreichischen Frei-Corps-Compagnien gänzlich geräumt, die feindlichen Bataillone rückten durch den Ort gegen den rechten Flügel der österreichischen Truppenaufstellung vor, der Rückzug der Oesterreicher wäre bedroht, wenn nicht abgeschnitten 1). Sehr rasch und gerade noch zeitgerecht warf sich eine Division Morzin-Grenadiere in die Ortschaft Jemappes, legte sich den eingedrungenen drei feindlichen Bataillonen trotz des heftigen Feuers quer vor und brachte sie zum Stehen. Unter dem Schutze dieser zwei Grenadier-Compagnien nahm sodann der grösste Theil der Truppen des österreichischen rechten Flügels mit der Artillerie durch die Ortschaft, über die Trouille- Brücke, auf der Chaussee nach Mons seinen Rückzug. Hiebei kam es am Ostausgange von Jemappes, bei der Trouille-Brücke zu starkem Gedränge. Der kleinere Theil der Truppen des rechten Flügels zog sich längs des Nordhanges der Höhen über Cuesmes nach Mons zurück. Dem österreichischen rechten Flügel folgte bald auch das Centrum im Rückzuge. Die Franzosen blieben auf den eben eingenommenen Höhen ruhig stehen; sie verfolgten nur durch Kanonenfeuer und brachten sich so selbst um den Hauptgewinn ihres mit grossen Opfern errungenen Sieges: nur durch ihre Unthä- tigkeit wurden die Oesterreicher vor gänzlicher Vernichtung oder Gefangennahme gerettet. *) Laut den »Notizen« des General-Quartiermeisters Oberst Baron Lindenau waren die Jäger und leichte Infanterie während des Kampfes nicht zu sehen. Iv. A., F. A. 1792 XIII, 22.