Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 12. (Neue Folge, 1900)

Hauptmann Veltzé: Die Hauptrelation des kaiserlichen Residenten in Constantinopel Simon Reniger von Reningen 1649-1666 - I. Hauptrelation des kaiserlichen Residenten Simon Reniger

116 V e 1 t z 6. die Kosaken nichts Feindliches vornehmen und der Krone Polen keine Hilfe leisten. Der Sultan hatte dem Gross-Fürsten geantwortet: Die Kosaken hätten ihre Abgesandten eher an seine Pforte ge­schickt als zu ihm, man habe sie hierauf geschützt und werde sie auch künftig schützen; er sollte sich nicht einmischen und zur Kühe in seinem Winkel verbleiben; was der Tataren- Chan gethan, sei nichts gegen Das, was die Ottomanische Macht thun würde, wann sie sich selbst movieren wollte; Alles mit schlechtem Respect und in secunda persona, wobei der Gross-Vezier ermeldetem Dolmetsch überdies wo der Gross-Fürst dem Sultan »Bruder« geschrieben, mündlich zu verstehen gegeben, er sollte seinem Herrn sagen, dass er sich dahin bemühe, damit er des Sultans Diener werden möge. Zu Ende des Monates September 1660 war der Sultan mit gesammtem Hofstaate wieder nach Constantinopel abgereist, allwo der französische Botschafter, welcher seinen Abzug immerfort verschoben, zu den sieben Thürmen gelegt und drei ganze Monate allda gehalten worden, bis die französischen Kaufleute 40.000 Thaler in compensationem einer Zucker- Provision, so zwei französische Schiffe zu Cairo für des Sultans Küche geladen und nach Livorno damit durchgegangen, völlig bezahlt und abgestattet hatten. Im Monate Januar 1661 war ein Abgesandter vom Gross- Kanzler aus Polen mit Schreiben an den Gross-Vezier angelangt, in welchen unter Anderem eine Congratulation wegen Er­oberung von Wardein und über die in Siebenbürgen gehabten Progressen gewesen, wie nämlich der König mit dem Sultan desshalb sich erfreue. Weiters bestand diese Mission in Dank­sagung für die Tataren, item wie die Moscowiter aufs Haupt geschlagen, dass man die Tataren auch künftig zu Hilfe lassen und dem moscowitischen Gesandten, im Falle einer anlangte, weniger Ehre erweisen wollte. Man hatte diesen Abgesandten mit freundlichen Schreiben wieder entlassen und wegen der Tataren gute Vertröstung ge­geben; inzwischen war der Türken Absehen, hauptsächlich wiederum auf das Venezianische nach Dalmatien; es waren aber bald darauf Avisen eingelangt, dass der Kemeny in

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