Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 12. (Neue Folge, 1900)

Hauptmann Veltzé: Die Hauptrelation des kaiserlichen Residenten in Constantinopel Simon Reniger von Reningen 1649-1666 - I. Hauptrelation des kaiserlichen Residenten Simon Reniger

Simon Reuiger von Reningen. 113 Dem Gross-Vezier aber hatte er in der ersten Audienz simpliciter ein Compiirnent oder Congratulation. über die in Siebenbürgen gehabten Erfolge und glückliche Wiederkunft abgelegt, im Uebrigen wäre sein König als ein guter Freund jederzeit dahin bedacht, wie die Differenzen mit Venedig an einen anderen Ort kommen möchten, massen dann der Bot­schafter im Befehl gehabt, sich in’s Mittel zu legen und dahin zu befleissen, wie er mit beiderseitiger Satisfaction den Frieden erheben möchte. Der Gross-Vezier hatte es wenig geachtet und kurz zur Antwort gegeben : Der Botschafter habe allbereits Urlaub, man erkenne ihn weiter nicht, er habe mit ihren Feinden corre- spondiert und die Ziffern nicht lesen wollen. Das Schreiben an den Gross-Vezier war auch in Substanz ein Compiirnent von guten Offerten zum venezianischen Frieden und dass der Gesandte beim Sultan Audienz haben möchte; mich hielten die Franzosen im Verdacht, als wenn ich sotto mano cooperiert, dass man die Botschafter fortschaffen sollte; diesfalls thaten sie mir Unrecht, den Blondel und seine Ver­richtung hatte ich aber so weit unterbaut, dass man ihn für keinen königlichen Gesandten und seine Creditive nicht für legitim gehalten, noch vor den Sultan gelassen, sondern mit schlechtem Bescheide fortgeschafft, sintemal ich an gehörigem Orte zu verstehen geben lassen, wie die Schreiben, so er ein­gehändigt, nicht aus Frankreich gekommen, sondern erst zu Constantinopel beim Botschafter aufgesetzt worden, welches die Türken umso viel mehr geglaubt, weil das Insiegel auf einem alten, schwarzen und anders aussehenden Papier, als das Schreiben selbst gewesen, in Meinung, es müsste zweifels­ohne von einem anderen Schreiben abgerissen und auf dieses geklebt worden sein. Diese Gesandtschaft hatte in Summe weder dem vene­zianischen Wesen, noch dem Botschafter gedient, massen man ihm dann einen Weg als den anderen zu unterschied­lichen Malen seine Abreise nach Frankreich intimieren lassen; er hätte an der Pforte nichts mehr zu schaffen, welches er aber nicht verstehen wollen, sondern seine Reise unter aller­hand Praetexten so meisterlich verzogen, bis der Sultan den letzten Juni selbigen 1659. Jahres, mit der Miliz und seinem Mittheilungen des k. und k. Kriegs-Archivs. Neue Folge. XII. 8

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