Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 12. (Neue Folge, 1900)
Hauptmann Veltzé: Die Hauptrelation des kaiserlichen Residenten in Constantinopel Simon Reniger von Reningen 1649-1666 - I. Hauptrelation des kaiserlichen Residenten Simon Reniger
Simon Reniger von Reilingen. 97 das Feuer in Asien löschen, massen dann etliche vornehme Spahis einen guten Theil von der Miliz insgemein an sich gezogen und den Sultan zu einem Kriege wider die Rebellen in Asien ermahnen lassen; diesen nun offen nicht zu widersprechen, oder neuen Rumor zu verursachen, liess der Sultan alsbald das Tuch oder Standarte ausstecken, Krieg ausrufen und pro bono auspicio, gewöhnlichermassen, eine Amzahl Schafe pro sacrificio abthun. Als er aber den Mufti, die vornehmsten Gelehrten, wie nicht weniger die Capi von den Janitscharen berufen und sie befragt, ob es ihr Wille und ihre Meinung sei, den Krieg in Asien fortzusetzen? Antwortete ein alter Oggiack-Aga, auf dessen Vorschlag dieses Consilium angestellt worden gleich negative und dass es nicht Zeit, dass ein Türke den anderen verfolgen und umbringen sollte, man sollte vielmehr auf den venezianischen Krieg, auf das polnische Wesen und auf Ungarn gedenken ; denn die zum Kriege in Asien riethen, wären keine rechten Türken, sondern muthwillige, unverständige Leute und diese wären etliche wenige Spahis, welche sich das Governo anmassen; nannte auch vier mit Namen, welche alsbald citiert und befragt worden, mit wessen Consens sie den Krieg in Asien begehrten? »Mit der Miliz Consens«, sagten sie; hier gab bedeuteter Oggiack-Aga gleich zur Antwort, dass dem nicht also und dass sie als insolente, unverständige Leute gestraft sollten werden, massen sie dann gleich im Serail stranguliert und ihre Körper in’s Meer geworfen wurden. Man hatte sogar ihre Leute und guten Freunde nicht verschont, sondern dieselben ebenmässig hingerichtet und in’s Meer geworfen, auf welche Demonstration sich alle Insolenten retiriert, absonderlich weil der Sultan angefangen, incognito selbst herum zu reiten und unterschiedliche Leute niedermachen zu lassen. Im Monate Mai hernach besagten 1656. Jahres war wiederum eine indische Botschaft mit ungefähr 200 Personen angekommen; der Botschafter hatte erstlich beim Sultan in einem Lusthaus am Meere eine Privat-Audienz gehabt und mit des Königs in Indien Insiegel, eine verpetschierte Truhe, worin ein Gürtel und ein Dolch, welchen die Türken unter Mittheilungen des k. und k. Kriegs-Archivs. Nene Folge. XII. 7