Mittheilungen des k.u.k. Kriegs-Archivs 11. (Neue Folge, 1899)
Hauptmann Oscar Criste: Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes 1799 - Die Aussagen des französischen Gesandtschafts-Personals und die ersten Gerüchte über den Ueberfall
Beiträge zur Geschichte des Rastatter Gesandten-Mordes. 77 in Druck gelegt und ihm 18 »Zusätze des Herausgebers, einige nähere detaillierte Facta betreffend«, dann das »Summarische Protokoll über die vorläufige Aussage der Kutscher, so die französischen Minister gefahren«, endlich das »Inspections- Protokoll über die Leichname der ermordeten französischen Minister« beigelegt. Der Ueberfall der französischen Gesandtschaft soll sich nach diesen Documenten folgendermassen abgespielt haben: Zwischen 9 und 10 Uhr Abends fuhren die Wagen zum Thor hinaus1). »Wir waren,« erzählt Debry in seinem ersten Bericht, »noch nicht fünfzig Schritte von Rastatt entfernt* 2), als ein Detachement von ungefähr 60 Szekler-Husaren3), das am Canal der Murg im Hinterhalte gelegen hatte, auf unsere Wagen zustürzte und sie halten liess4). Der meinige war der erste: sechs Mann mit gezogenen Säbeln rissen mich mit Gewalt heraus, durchwühlten meine Kleider und Taschen und raubten mir Alles, was ich bei mir hatte5 6 *). Ein anderer Mensch, welcher diesen Streifzug zu commandieren schien, sprengte zu Pferde herbei und verlangte den Gesandten Jean Debry zu sehen8). Ich glaubte, dass er mich retten wolle und *) Authent. Bericht, 19. 2) In seinem zweiten Bericht sind es 30, nach andern Angaben 100, nach der Anzeige des Bastatter Oheramts 200 Schritte gewesen. s) Nach den Angaben seiner Frau und Töchter waren es 15, nach jenen des Kutschers Kaspar, der den Wagen führte, nur 6; der eigene Kutscher des zweiten Wagens Debry’s, Sigrist, sah nur 3. 4) Nach seinem zweiten Bericht sah Debry »diese Banditen mit wilden Blicken und mit fürchterlichem Geschrei zwischen den Bäumen hervorstürzen«. Man beachte den Raum zwischen der Murg und den .Alleebäumen, welcher zum »Hinterhalt« der 60 Husaren gedient habén soll. ■’j Nach seinem zweiten Bericht will Debry nur von zwei Husaren aus dem Wagen gerissen worden sein ; der Kutscher Kaspar sah die Plünderung überhaupt nicht, sondern nur, dass Dehry »sogleich mit Säbelhieben behandelt« wurde. 6) Der »Authent. Bericht« erzählt mit ausdrücklicher Berufung auf Debry: »Auch er (Debry) war zuerst von einem Husar und zwar in französischer Sprache mit den Worten: ,Est-ce que tu es Jean Debry?’ gefragt« worden. Es wird auch versichert, der Anruf habe gelautet: »Es-tu Jean Debry?« In seinem »Narre Adele« Andet Debry es für nothwendig, zu betonen, er sei »en mauvais francais« gefragt worden: »Le ministre Jean Debry?«